Sonderbericht: Focke-Windkanal – Bremens letztes Fluglabor eines Weltklasse-Konstrukteurs

Moin! Mitten in Bremen, ein bisschen versteckt zwischen Wohnhäusern, steht das letzte Forschungslabor des Bremer Luftfahrtpioniers Henrich Focke – der Focke-Windkanal. Schon im Jahr seiner Wiedereröffnung 2005 wurde er mit der höchsten nationalen Auszeichnung für ein Baudenkmal bedacht, dem Deutschen Preis für Denkmalschutz. Der Eintritt ist frei, eine Spende für den Erhalt des Labors ist aber immer willkommen.

Ein Pionier mit Weltrang

Henrich Focke (1890–1979) gehört zu den bedeutendsten Flugzeugkonstrukteuren und Hubschrauberpionieren der Luftfahrtgeschichte. 1924 gründete er in Bremen die Focke-Wulf Flugzeugbau AG, 1937 dann – nachdem er die eigene Firma auf äußeren Druck verlassen musste – die erste Hubschrauberfabrik der Welt, Focke, Achgelis & Co. GmbH in Delmenhorst-Hoykenkamp. 1936 hob mit der FW61 der weltweit erste kontrolliert steuerbare Hubschrauber vom Neuenlander Feld in Bremen ab. Nach dem Krieg baute Focke unter anderem in Brasilien und bei den Bremer Borgward-Automobilwerken weitere Hubschrauber, bevor er sich 1961 seinem letzten großen Projekt widmete: einem eigenen Windkanal für seine Forschungen zur Aerodynamik.

Sein privates Labor

1963 stellte Focke den Windkanal fertig und verbrachte fortan fast jeden Tag darin, um offene Fragen der Aerodynamik zu klären – insbesondere zur Flugsicherheit und Flugstabilität. Erst 1975, mit 85 Jahren, musste er die Arbeiten aus gesundheitlichen Gründen einschränken.

Vom Verfall zur Rettung

Nach Fockes Tod 1979 verfiel das Labor zunehmend – undichtes Dach, marode Elektrik, keine funktionierende Heizung. Die Wende kam 1997: Der damalige Doktorand Kai Steffen bekam zu Weihnachten Fockes Memoiren geschenkt, erfuhr darin beiläufig vom Windkanal, nahm Kontakt zur Familie Focke auf – und stellte fest, dass das Labor noch immer existierte. Mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter gründete er einen Förderverein, warb bei Firmen, Behörden und Stiftungen um Unterstützung und brachte so bis 2003 rund 250.000 Euro für die Renovierung zusammen. Die Bauarbeiten begannen im Spätherbst 2003, und am 25. Februar 2005 – dem 26. Todestag Henrich Fockes – konnte das Labor der Öffentlichkeit übergeben werden.

Modernes Forschungslabor

Seit 2008 ist der historische Windkanal zusätzlich wieder als voll funktionsfähiges, modernes Forschungslabor im Einsatz: mit neuem Propeller, stufenlos einstellbarer Windgeschwindigkeit (0,3 bis 16 m/s), elektronischen Druckaufnehmern und einer von Dr. Kai Steffen entwickelten dreiachsigen Positioniereinrichtung. Firmen, Institute und Privatpersonen können hier wahlweise mit historischer oder moderner Messtechnik experimentieren.

Zu Besuch bei Focke

Führungen sind derzeit für Gruppen bis maximal 12 Personen nach Vereinbarung möglich, sie dauern 1,5 bis 3 Stunden und lassen viel Raum für Fragen. Der Eintritt ist frei – über eine Spende freut sich der Förderverein, der den laufenden Unterhalt des Labors komplett selbst finanzieren muss.

Adresse: Emil-Waldmann-Str. 4, 28203 Bremen
Führungen: nach Vereinbarung unter Termine@Focke-Windkanal.de
Eintritt: frei, Spende willkommen
Telefon: 0421-234 8 32
Web: www.focke-windkanal.de

Mit Unterstützung von KI erstellt.

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