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Warum Seehunde im Wasser schlafen

Seehunde schlafen im Wasser, weil sie als Meeressäuger Luft atmen müssen und dabei ihre Atemwege über der Wasseroberfläche halten können, während ihr Körper im Wasser ruht. Gleichzeitig ermöglicht ihnen das Wasser als Lebensraum eine effiziente Temperaturregulation und bietet Schutz vor Landräubern. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:

Also, Kinder, heute erkläre ich euch warum Seehunde im Wasser schlafen. Mit der Nase raus, dem Rest drunter, völlig reglos. Das sieht gefährlich aus. Ist es nicht. Es war sogar eine sehr kluge Entscheidung – auch wenn sie, wie so viele kluge Entscheidungen, aus einem Missgeschick entstanden ist.

Ich war dabei. Ich flog damals viel raus nach Helgoland, weil dort der Fisch besser war und die Spatzen noch nicht hingefunden hatten.

Es gab auf Helgoland einen Seehund namens Hein. Alter Kerl, grau, mit Schnurrhaaren die in alle Richtungen zeigten außer in die richtige. Hein hatte ein Problem: Er schlief zu fest.

An Land schlief er so tief, dass ihn einmal eine Möwe auf der Nase saß – nicht ich, ich betone das ausdrücklich – und er es nicht merkte. Dass ihn Kinder anfassten. Dass eine Touristin ein Foto mit ihm machte, ihm dabei versehentlich auf die Flosse trat, sich entschuldigte und ging – und Hein schlief durch.

Das war einerseits beeindruckend. Andererseits unpraktisch, denn ein Seehund der so schläft, bemerkt auch keine echte Gefahr.

Eines Abends rutschte Hein beim Einschlafen vom Felsen ins Wasser. Nicht dramatisch – ein sanftes Hinübergleiten, halb schon im Schlaf. Er sank ein Stück, die Nase blieb oben, der Rest pendelte sich ein.

Und dann schlief er weiter.

Als er aufwachte, schwamm er. Ausgeruht. Frisch. Kein Tourist hatte ihn angefasst. Keine Möwe auf der Nase gesessen. Die Nase hatte eigenständig Luft geholt, der ganze Körper hatte sich einfach eingeregelt.

Er schwamm ans Ufer und dachte nach.

Am nächsten Abend legte er sich wieder ins Wasser.

Funktionierte wieder.

Binnen eines Monats machten es alle Seehunde auf Helgoland. Binnen eines Jahres die Seehunde an der ganzen Nordseeküste. Heute macht es jeder Seehund auf der Welt.

Alles wegen Hein. Der es nicht mal absichtlich erfunden hat.

Das, Kinder, nennt man eine zufällige Erfindung. Die menschliche Wissenschaft hat dafür ein langes Wort. Ich nenn es einfach: Hein war müde und hat aufgehört sich dagegen zu wehren.

Manchmal ist das die beste Strategie.

Gute Nacht.

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