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Warum Schwalben ueber zehntausend Kilometer nach Hause finden

Schwalben nutzen zur Navigation ein ausgefeiltes Orientierungssystem, das auf dem Erdmagnetfeld, der Sonnenposition, Landmarken und möglicherweise auch olfaktorischen Hinweisen basiert. Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass sie zudem über ein angeborenes genetisches Programm verfügen, das ihnen die Zugrichtung und -distanz vorgegeben hat und durch erlernte Erfahrungen verfeinert wird. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:

Also, Kinder, heute erklaere ich euch, wie Schwalben von Afrika nach Bremerhaven finden – ohne Karte, ohne Navi, ohne jemanden zu fragen.

Das war im September 2019, kurz vor dem Abzug, und ich sass auf der Kaje und sah zu, wie sich die Schwalben sammelten. Dutzende auf den Stromleitungen. Hunderte. Immer mehr.

Einer von ihnen, ein junger Schwalbe auf seiner ersten Reise, hiess Emil. Emil sass neben mir auf der Leitung – Schwalben setzen sich manchmal auf alles, auch auf Moewen, wenn der Platz knapp wird, was ich fuer zumutbar hielt – und sah nach Sueden.

„Emil“, sagte ich. „Wohin fliegst du?“ „Nach Sueden“, sagte Emil. „Das weiss ich. Aber wie findest du den Weg zurueck?“

Emil ueberlegte. Es war das erste Mal, dass er diese Frage gestellt bekam, und man sah, dass er noch nicht ganz sicher war, wie er sie beantworten sollte.

„Ich weiss es einfach“, sagte er schliesslich.

Das war keine ausreichende Antwort. Ich blieb hartnaeckig. Und Emil versuchte es zu erklaeren, so gut er konnte.

In seinem Kopf, so Emil, ist etwas wie ein Kompass. Er spuert das Magnetfeld der Erde – nicht als Gefuehl, nicht als Gedanke, eher wie eine Richtung, die immer da ist. Norden ist noerdlich. Sueden ist suedlich. Das weiss er, ohne nachzudenken.

Dazu kommen die Sterne. Nachts orientiert er sich an der Milchstrasse, an bestimmten Sternbildern, die er als Kueken gelernt hat – nicht gelehrt bekommen, sondern von selbst eingespeichert, wie ein Bild, das sich ins Gehirn brennt.

Und dann die Landmarken. Die Kuestenlinie. Die grossen Fluesse. Gebirgszuege. All das kennt er, obwohl er es noch nie gesehen hat – weil es in ihm drin ist, als Karte ohne Papier.

„Und wenn du aufwachst und nicht weisst, wo du bist?“, fragte ich. „Das passiert nicht“, sagte Emil. „Nie?“ „Ich weiss immer, wo ich bin“, sagte Emil. Dann dachte er kurz nach. „Ungefaehr.“

Marta, die auf der Leitung neben mir sass, sagte: „Ich find den Fischereihafen auch immer. Aber ich frag manchmal nach.“ „Du fragst nicht nach“, sagte ich. „Ich orientiere mich an anderen Moewen“, sagte Marta. „Das ist aehnlich.“

Emil war inzwischen unruhig geworden. Die anderen Schwalben auch. Es war dieses Kribbeln vor dem Abzug, das ich kannte, ohne es selbst zu kennen.

„Emil“, sagte ich. „Komm gut an.“ „Ich komme immer gut an“, sagte Emil. Und dann war er weg.

Jedenfalls, Kinder: Schwalben haben keine Karte. Sie sind die Karte. Alles, was sie brauchen, tragen sie in sich. Das Magnetfeld, die Sterne, die Kueste, den Weg.

Manchmal ist das Klugste, was man hat, das, womit man geboren wurde.

Gute Nacht.

Mit Unterstützung von KI erstellt.

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