Warum Schwalben regionale Dialekte haben
Schwalben entwickeln regionale Dialekte, weil sie ihre Gesänge von älteren Artgenossen lernen und diese Lautmuster innerhalb von Populationen weitergegeben werden, ähnlich wie bei Vögeln allgemein. Geografische Isolation von Populationen führt dazu, dass sich diese gelernten Gesangsvarianten in verschiedenen Regionen unterschiedlich weiterentwickeln. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erklaere ich euch, warum Schwalben in Bremerhaven anders klingen als Schwalben in Muenchen – und warum das eine sehr wichtige Entdeckung ist.
Das war im Juni 2018, und ich hatte Besuch von einer Schwalbe aus dem Sueden. Das war ungewoehnlich, aber sie hatte sich verflogen – was bei Schwalben selten vorkommt, aber vorkommt – und war beim alten Speicher gelandet, wo ich gerade sass.
Die Schwalbe hiess, nach eigenem Bekunden, Zippi. Zippi kam aus dem Allgaeu. Sie trillerte etwas, das ich als Begruessing verstand, aber es klang – ich kann es nicht anders sagen – etwas anders als das, was ich von den Bremerhavener Schwalben kannte.
Ich rief Brise, meine Bekannte aus der ortsansaessigen Schwalbenkolonie. Brise kam, hoerte Zippi zu, und zog eine Augenbraue hoch – soweit Schwalben das koennen.
„Die klingt komisch“, sagte Brise. „Ich klinge nicht komisch“, sagte Zippi. „Ihr klingt komisch.“ Die beiden sahen sich an. „Was meint ihr genau?“, fragte ich.
Und dann erklaerten sie mir gemeinsam – mal einig, mal nicht – etwas, das mich sehr faszinierte. Schwalben lernen ihren Gesang von ihren Eltern. Nicht angeboren, sondern erlernt, als Kueken, in den ersten Wochen im Nest. Und weil jede Kolonie leicht anders singt, weil sich kleine Abweichungen ueber Generationen ansammeln, klingen Schwalben aus verschiedenen Regionen messbar unterschiedlich.
Es sind Dialekte. Echte Dialekte.
„Wie Norddeutsch und Bayerisch“, sagte ich. „Ungefaehr“, sagte Brise. „Nur schoener“, sagte Zippi. „Bitte?“, sagte Brise.
Ich trat vorsichtig dazwischen. „Erkennt ihr euch trotzdem als Schwalben?“ „Ja“, sagten beide gleichzeitig. „Versteht ihr euch?“ Eine kurze Pause. „Meistens“, sagte Brise. „Die Grundmelodie ist dieselbe.“
Das fand ich sehr schoen. Verschiedene Klaenge, eine gemeinsame Sprache darunter. Wie Menschen, die unterschiedliche Dialekte sprechen, aber dieselbe Sprache.
Fiete, der zugehoert hatte, sagte: „Ich hab auch einen Dialekt.“ „Du hast keinen Dialekt“, sagte ich. „Ich klinge immer etwas heiser“, sagte Fiete. „Das ist kein Dialekt“, sagte ich. „Das ist deine Stimme.“ „Ist das nicht dasselbe?“, sagte Fiete.
Zippi und Brise flogen gemeinsam los. Ich hoerte sie noch eine Weile – zwei Melodien, die aehnlich waren, aber nicht gleich. Wie zwei Versionen desselben Liedes.
Jedenfalls, Kinder: Wenn ihr Schwalben hoert und denkt, die klingen alle gleich – hoert nochmal hin. Jede Kolonie hat ihren eigenen Klang. Ihre eigene Geschichte, eingesungen von Generation zu Generation.
Musik, die niemand aufschreibt. Aber niemand vergisst.
Gute Nacht.
Mit Unterstützung von KI erstellt.
