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Warum Schwalben im Flug schlafen

Schwalben schlafen im Flug, um ihre Vigilanz zu bewahren und Raubtiere frühzeitig zu erkennen, während sie gleichzeitig ihre natürliche Aktivität fortsetzen. Dabei nutzen sie das sogenannte unihemisphärische Schlafen, bei dem nur eine Gehirnhälfte ruht, während die andere wach bleibt und die Flugkontrolle aufrechterhält. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:

Also, Kinder, heute erklaere ich euch, warum Schwalben schlafen – und zwar nicht auf einem Ast, nicht in einem Nest, sondern mitten in der Luft, waehrend sie fliegen.

Das war im Juli 2023, und ich muss gestehen: Das war der Moment, in dem ich zum ersten Mal in meinem langen Leben als Moewe wirklich neidisch auf einen anderen Vogel war.

Ich sass auf meinem Lieblingspoller an der Columbuskaje, es war spaeter Abend, die Luft noch warm, und ueber mir zogen Mauersegler ihre Kreise. Schnell, lautlos, scheinbar endlos. Ich kannte einen von ihnen – er hiess Sven, was fuer einen Mauersegler ungewoehnlich ist, aber er hatte einen Menschen, der ihn so nannte, und er hatte sich damit abgefunden.

Sven flog. Und flog. Und flog.

Irgendwann rief ich hoch: „Sven! Wann schlaefst du eigentlich?“ Sven flog eine Kurve, kam etwas tiefer, und rief zurueck: „Gerade.“ Ich blinzelte. „Du schlaefst gerade?“ „Die linke Haelfte“, rief Sven. „Die rechte ist wach.“ Dann war er wieder oben.

Ich sass eine Weile still. Fiete, der neben mir sass und eine Fischgraete im Schnabel hatte, sagte: „Hab ich das richtig verstanden?“ „Ich glaube schon“, sagte ich.

Spaeter, als Sven eine Pause einlegte – er liess sich kurz auf einem Drahtseil nieder, was Mauersegler selten tun – erklaerte er mir die ganze Sache.

Mauersegler und viele Schwalbenarten verbringen ihr Leben fast vollstaendig in der Luft. Sie fressen in der Luft. Sie trinken in der Luft. Sie paaren sich in der Luft. Und sie schlafen in der Luft. Das Gehirn macht dabei etwas Erstaunliches: Es schlaeft in zwei Haelften. Eine Haelfte schaltet ab – tiefer Schlaf, Erholung, alles ruhig. Die andere Haelfte bleibt wach – ueberwacht die Flugbahn, haelt die Augen offen, navigiert.

„Du bist also nie ganz wach“, sagte ich. „Und nie ganz schlafend“, sagte Sven. „Irgendwo dazwischen. Immer.“ „Ist das nicht anstrengend?“ Sven sah mich an. „Ist es anstrengend, immer auf einem Poller zu sitzen?“ „Das ist etwas anderes“, sagte ich. „Nein“, sagte Sven.

Kruemel, der 2023 dabei war und aufmerksam zugehoert hatte, fragte: „Opa Kurt, traeumen die dann auch im Flug?“ Ich sah Sven an. Sven ueberlegte. „Manchmal“, sagte er schliesslich. „Ich weiss nicht immer, ob ich gerade fliege oder traeume, dass ich fliege.“ „Und wie merkst du den Unterschied?“ „Der Unterschied“, sagte Sven, „ist meistens egal.“

Marta, die das Ende des Gespraechs gehoert hatte, sagte leise: „Das ist entweder sehr weise oder sehr beunruhigend.“ „Beides“, sagte ich.

Jedenfalls, Kinder: Wenn ihr nachts in den Himmel schaut und noch Voegel seht, die kreisen – das sind keine Voegel, die nicht schlafen koennen. Das sind Voegel, die gerade schlafen. Auf ihre Art. Hoch oben. Im Wind.

Das finde ich, ehrlich gesagt, wunderschoen.

Gute Nacht.

Mit Unterstützung von KI erstellt.

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