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Warum Rüden ein Bein heben beim Pinkeln

Rüden heben beim Urinieren ein Hinterbein, um ihren Urin höher an Objekten wie Bäumen oder Pfosten abzusetzen, wodurch der Duftmarker für andere Hunde besser sichtbar und präsent bleibt. Dieses Verhalten dient der Reviermarkierung und ermöglicht es dem Rüden, seine Präsenz deutlicher zu kommunizieren als beim Hocken wie Hündinnen. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:

Also, Kinder, heute erkläre ich euch, warum männliche Hunde beim Pinkeln immer ein Bein hochheben.

Das war im Juni 2009, an einem dieser langen Sommerabende, wo die Sonne einfach nicht untergehen will und der Hafen in orangem Licht liegt. Ich saß auf einem Poller an der Promenade, als ich beobachtete, wie ein kleiner Terrier namens Fritz – das erfuhr ich später von Fiete, der jeden Hund in Bremerhaven zu kennen schien – an eine Laterne trat, das rechte Hinterbein mit großer Würde anhob, und dann sehr konzentriert seine Angelegenheiten erledigte. Möglichst weit oben.

Fiete, der neben mir saß, kicherte.

„Was ist daran lustig?“, fragte ich.

„Der ist doch kaum größer als mein Schnabel“, sagte Fiete, „aber er hebt das Bein so hoch als wäre er ein Pferd.“

Das stimmte. Fritz war klein. Die Laterne war groß. Aber Fritz gab sein Bestes.

Ich beschloss, Fritz nach seiner Pinkelpause zu befragen. Ich flog hinunter, wartete höflich ab, und sagte dann: „Fritz. Darf ich fragen, warum du das Bein so hoch hebst?“

Fritz sah mich an. Er hatte die Würde eines Hundes, der gerade etwas sehr Wichtiges getan hatte.

„Größe“, sagte er.

„Wie bitte?“

„Es geht um Größe“, erklärte Fritz. „Andere Hunde, die nach mir kommen und hier schnüffeln, sollen denken, dass ich ein sehr großer Hund bin. Je höher der Duft sitzt, desto größer wirke ich.“

Ich schaute hoch zur Laterne. Fritz hatte tatsächlich beachtlich hoch getroffen, für seine Körpergröße.

„Aber Fritz“, sagte ich vorsichtig, „wenn dann ein echter großer Hund kommt und die Stelle beschnüffelt – merkt der doch, dass da was nicht stimmt.“

Fritz zuckte kurz mit dem Ohr. „Der kommt aber erst später. Und bis dahin bin ich weg.“

Das war ein Argument, das ich nicht sofort entkräften konnte.

Ich dachte an Fips, den Spatzentruppenführer, der auf dem Markt immer die größten Töne spuckte, obwohl er kleiner war als mein Zeh. Fips stellte sich auch immer so hin, dass er möglichst weit oben wirkte. Auf dem höchsten Punkt der Markise. Auf der Spitze des Brunnens. Fips und Fritz hätten sich verstanden.

„Und alle Rüden machen das?“, fragte ich.

„Die meisten“, sagte Fritz. „Die klugen jedenfalls.“

Marta, die gerade landete und das Ende des Gesprächs mitgehört hatte, sagte trocken: „Bei Möwen läuft das über die Flügelspannweite.“

„Was meinst du damit?“, fragte ich.

„Nichts“, sagte Marta. Und flog wieder auf.

Jedenfalls, Kinder: Wenn ihr einen Hund seht, der beim Pinkeln das Bein so hoch hebt, dass er fast umfällt – dann ist das kein Unfall. Das ist Strategie. Das ist Marketing. Der Hund sagt der Welt: Ich bin groß. Ich bin hier. Respekt bitte.

Dass das manchmal nicht ganz der Wahrheit entspricht, das ist eine andere Geschichte.

Gute Nacht.

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