Warum rote Krabben einmal im Jahr ans Meer marschieren
Rote Krabben marschieren einmal jährlich zum Meer, um sich fortzupflanzen und ihre Larven ins Wasser freizusetzen, da diese im Meerwasser aufwachsen müssen. Dieser Massenwanderung folgt ein hormoneller Zyklus, der mit den Jahreszeiten und möglicherweise mit Regen- oder Temperaturveränderungen synchronisiert ist. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erkläre ich euch, warum auf einer Insel im Indischen Ozean jedes Jahr Millionen von roten Krabben gleichzeitig losmarschieren. Durch den Dschungel. Über Straßen. An Häusern vorbei. Alle in dieselbe Richtung. Alle zur selben Zeit. Nichts hält sie auf.
Ich war 2001 dabei. Einmal reicht.
Die Insel heißt Weihnachtsinsel. Ich war eigentlich wegen einer anderen Sache dort, auf die ich jetzt nicht eingehe. Dann begann die Wanderung, und ich vergaß alles andere.
Es fing mit einer Krabbe an. Einer einzelnen, roten Krabbe, die aus dem Wald trat und Richtung Meer lief. Dann eine zweite. Dann zehn. Dann hundert. Dann hörte ich auf zu zählen, weil es keinen Sinn mehr ergab.
Der Boden war rot. Alles bewegte sich. In eine Richtung.
Ich flog tief genug, um eine der Krabben anzusprechen. Sie hieß Irmgard.
„Wohin?“, rief ich.
„Meer“, sagte sie, ohne zu stoppen.
„Warum?“
„Eier.“
„Jetzt?“
„Jetzt.“
Sie lief weiter. Ich flog neben ihr her.
Die Straße kam. Eine echte Straße, mit Autos. Die Autos standen. Die Menschen schauten. Die Krabben liefen darüber, als ob die Straße für sie gebaut worden wäre.
„Stört euch das nicht?“, fragte ich Irmgard.
„Was?“
„Die Autos. Die Menschen. Die Hindernisse.“
Irmgard machte einen kurzen Schwenk um einen Autoreifen und lief weiter.
„Wir kommen durch“, sagte sie.
Das stimmte. Millionen Krabben kamen durch. Immer. Jedes Jahr. Seit sehr langer Zeit, lange bevor es Straßen gab, lange bevor es Menschen gab, die zuschauten.
Marta, die das von oben beobachtete, sagte später: „Das ist das Entschlossenste, was ich je gesehen habe.“
„Einschließlich uns?“, fragte Fiete.
„Einschließlich allem“, sagte Marta.
Irmgard erreichte das Meer. Sie legte ihre Eier ab. Dann drehte sie sich um und marschierte zurück in den Dschungel.
Ich rief ihr nach: „War es das wert?“
Sie antwortete nicht. Sie war schon wieder unterwegs.
Kinder, manche Dinge tut man einfach, weil sie getan werden müssen. Und weil man es immer so gemacht hat. Und weil alle anderen auch gehen. Und weil das Meer wartet.
Gute Nacht.
Mit Unterstützung von KI erstellt.
