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Warum Möwen so laut schreien

Möwen schreien vor allem, um ihr Revier zu verteidigen, Partner anzulocken oder Artgenossen vor Gefahr zu warnen – in Hafenstädten wie Bremerhaven kommt die Konkurrenz um Essensreste dazu. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:

Also, Kinder, heute erkläre ich euch warum Möwen so laut schreien. Manche sagen, das ist einfach so. Manche sagen, das ist die Natur. Ich sage: Es war Fietes Schuld. Wie so vieles.

Es war ein Mittwoch, vor ungefähr zwanzig Jahren. Der Hafen Bremerhaven, früh morgens, noch kein Tourist weit und breit. Die Möwen saßen auf den Pollern und taten das, was Möwen morgens tun: Sie schwiegen. Das glaubt euch heute keiner mehr, aber es stimmt. Möwen waren früher stille Vögel. Würdevoll. Reserviert. Norddeutsch eben.

Fiete hatte die Nacht schlecht geschlafen. Er schlief immer schlecht wenn er abends zu viele Heringe gegessen hatte, und er aß abends immer zu viele Heringe. Das war ein Problem das er kannte aber nicht löste, weil es bedeutet hätte abends weniger Heringe zu essen.

An diesem Morgen also saß Fiete auf seinem Poller, ein bisschen wackelig, ein bisschen verträumt – und sah, wie ein Fischerboot einlief. Ein großes Fischerboot. Mit einem Netz das so voll war, dass es über die Reling hing.

Fiete machte den Mund auf.

Was aus seinem Mund kam war kein Wort. Es war auch kein normaler Möwenlaut. Es war etwas zwischen einem Schiffshorn, einer quietschenden Bremse und dem Geräusch das entsteht wenn jemand auf eine nasse Luftmatratze springt. Laut. Sehr laut. So laut dass drei Matrosen auf dem Boot umschauten, eine Möwe vom Nachbarpoller fiel und Marta ihren Kaffee – sie hatte einen Kaffeebecher eines Touristen organisiert – über ihr rotes Halstuch schüttete.

Alle schauten Fiete an.

Fiete schaute auf das Fischerboot.

„Da“, sagte er. „Fisch.“

Stille.

Dann – und das war der entscheidende Moment – kam das Boot näher. Und mit ihm der Geruch. Frischer Nordsee-Hering, Makrele, noch ein bisschen Seewasser drauf, die Sonne fing gerade an zu wärmen. Der Geruch zog über den Kai wie eine Welle.

Und da öffnete Marta den Schnabel. Frieda öffnete den Schnabel. Krümel öffnete den Schnabel. Alle sechs Möwen vom Nachbarpoller öffneten die Schnäbel.

Und alle machten genau dasselbe Geräusch wie Fiete.

Der Bootsführer warf reflexartig drei Fische über Bord. Das war sein Fehler. Denn damit hatte er etwas Wichtiges bewiesen: Es funktioniert.

Die Nachricht verbreitete sich schnell in der Möwenwelt. Ihr kennt das von Fiete – er kann nicht schweigen wenn er etwas Wichtiges weiß. Und das hier war das Wichtigste was er je wusste.

Schrei laut genug – und Fisch fällt vom Himmel.

Innerhalb einer Woche schrien Möwen in jedem Hafen von Bremerhaven bis Flensburg. Innerhalb eines Monats bis Dänemark. Die dänischen Möwen verstanden nicht ganz warum, aber sie machten trotzdem mit. Möwen sind so.

Heute, Kinder, schreien Möwen aus demselben Grund warum Fiete damals schrie: Sie sehen etwas Leckeres. Oder sie glauben etwas Leckeres zu sehen. Oder sie haben geträumt etwas Leckeres zu sehen. Oder es ist Mittwoch.

Fiete selbst schläft übrigens immer noch schlecht. Aber daran hat sich nichts geändert.

Gute Nacht.

Mit Unterstützung von KI erstellt.

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