Warum Maulwuerfe Wuermer lebend lagern
Maulwürfe lagern Würmer lebend, um sie frisch zu halten und ihre Verderblichkeit zu verzögern, da sie diese als Vorrat für Zeiten mit geringerem Nahrungsangebot nutzen. Durch das Lähmen der Würmer mittels Bisse in das Nervensystem bewahren sie eine lebende, aber bewegungsunfähige Futterreserve auf, die länger haltbar bleibt als tote Würmer. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erklaere ich euch etwas, das klingt wie aus einem Gruselmärchen – und trotzdem vollkommen wahr ist: Maulwuerfe haben Gift. Und sie betreiben damit eine Vorratskammer der besonderen Art.
Das war im Oktober 2022, und Konrad hatte mich zu einem Gespraech eingeladen, das ich nicht erwartet hatte.
Er tauchte am Rand des Deiches auf, sah mich an – soweit er das konnte – und sagte: „Ich zeige dir heute etwas.“ Das ueberraschte mich. Maulwuerfe laden selten ein.
Ich folgte ihm – er unter der Erde, ich darueber, an den leichten Erdbewegungen erkennend, wo er sich befand – bis zu einer Stelle am Rand der Wiese. Dort hoerte er auf zu graben.
„Hier unten“, sagte Konrad, „ist meine Vorratskammer.“ „Was ist darin?“, fragte ich. „Wuermer“, sagte Konrad. „Zweihundertdreissig. Ungefaehr.“ „Tote Wuermer?“ „Nein“, sagte Konrad. „Lebende.“
Ich schwieg einen Moment. „Lebende Wuermer. In einer Kammer. Unter der Erde.“ „Ja.“ „Wie haeltst du sie da?“
Konrad erklaerte mir dann die ganze, faszinierende und leicht unheimliche Sache.
Maulwuerfe haben in ihren Speicheldrüsen ein Gift. Kein starkes Gift – es toetet nicht. Aber es laehmt. Ein Biss in den Kopf eines Regenwurms, und der Wurm kann sich nicht mehr bewegen. Er lebt, sein Herz schlaegt, er atmet – aber er liegt still. So bleibt er frisch. Wochenlang, manchmal monatelang.
„Du hast eine lebende Speisekammer“, sagte ich. „Eine frische Speisekammer“, korrigierte Konrad. „Tote Wuermer verderben. Lebende nicht.“
Das war eine Logik, die ich nicht bestreiten konnte.
Fiete, der neben mir sass und zugehoert hatte, sagte sehr leise: „Das ist das Gruseligste, was ich je gehoert hab.“ „Es ist effizient“, sagte Konrad. „Fuer dich“, sagte Fiete. „Ja“, sagte Konrad. „Fuer mich.“
Marta, die von oben zugehoert hatte, sagte: „Das macht der Mensch mit Konserven auch.“ „Das ist etwas anderes“, sagte ich. „Ist es das wirklich?“, sagte Marta. „Einkochen ist auch eine Art Lahmung.“ Ich liess das stehen.
Kruemel, der 2022 dabei war und sehr blass um den Schnabel wirkte, fragte: „Opa Kurt, fuehlen die Wuermer das?“ Ich sah Konrad an. Konrad ueberlegte ehrlich. „Ich weiss es nicht“, sagte er schliesslich. „Ich hoffe nicht.“
Das war eine sehr ehrliche Antwort von einem Maulwurf.
Jedenfalls, Kinder: Die Natur erfindet Dinge, auf die kein Mensch je gekommen waere. Eine lebende Vorratskammer aus gelahmten Wuermern ist nicht schoen – aber sie ist genial. Konrad verungert nie im Winter. Er hat immer Frisches.
Manches in der Natur ist beides gleichzeitig: merkwuerdig und bewundernswert.
Gute Nacht.
Mit Unterstützung von KI erstellt.
