|

Warum Maulwuerfe keine Nachbarn dulden

Maulwürfe sind territorial und dulden keine Nachbarn, weil sie ihre unterirdischen Gangsysteme aggressiv gegen Eindringlinge verteidigen, um ihre Nahrungsressourcen (Regenwürmer und Insekten) zu sichern. Ein einzelner Maulwurf benötigt für seine Ernährung ein großes Revier, daher ist eine Koexistenz mit Artgenossen wirtschaftlich unmöglich. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:

Also, Kinder, heute erklaere ich euch, warum Maulwuerfe die einsamsten Tiere sind, die ich kenne – und warum das fuer sie vollkommen in Ordnung ist.

Das war im Juni 2023, und ich hatte zufaellig miterlebt, was passiert, wenn zwei Maulwuerfe aufeinandertreffen.

Konrad kam an diesem Morgen sehr schnell aus der Erde, was ungewoehnlich war. Er schnueffelte, drehte sich, schnueffelte wieder. Sein Fell, normalerweise glatt und ordentlich, sträubte sich leicht.

„Konrad“, sagte ich. „Was ist passiert?“ „Eindringling“, sagte Konrad. „Wo?“ „Nordtunnel. Dritter Abschnitt.“ Das klang sehr praezise. Konrad verschwand wieder. Ich wartete.

Fuenfzehn Minuten spaeter tauchte er auf – etwas atemlos, aber mit dem Gesicht eines Maulwurfs, der eine Angelegenheit geregelt hat.

„Weg?“, fragte ich. „Weg“, sagte Konrad. „Was hast du gemacht?“ „Ich habe ihn rausgeschmissen.“

Das war so direkt, dass ich eine Pause einlegte. Dann: „War es ein anderer Maulwurf?“ „Ja.“ „Konntet ihr nicht einfach…“ „Nein“, sagte Konrad, bevor ich den Satz beendet hatte.

Er erklaerte mir dann, was ich euch erklaere. Maulwuerfe sind Einzelgaenger. Hart. Konsequent. Ein Revier ist ein Revier. Es gibt genug Wuermer fuer genau einen Maulwurf – nicht fuer zwei. Zwei bedeutet Konkurrenz. Konkurrenz bedeutet Hunger. Hunger bedeutet Tod.

Also: kein zweiter Maulwurf. Nie. Ausnahme: kurz im Fruehling, zur Paarungszeit. Dann ist der andere Maulwurf geduldet. Danach: nicht mehr.

„Auch die eigenen Kinder?“, fragte ich. „Sobald sie gross genug sind“, sagte Konrad, „graben sie ihr eigenes Revier.“ „Und dann?“ „Dann kenne ich sie nicht mehr.“

Das war ein Satz, der mich laenger beschaeftigte als die meisten.

Marta sagte leise: „Das klingt hart.“ „Fuer uns“, sagte Konrad. „Fuer mich ist es normal.“ „Vermisst du die Gesellschaft nicht?“, fragte Marta. Konrad ueberlegte ehrlich. „Ich vermisse die Ruhe, wenn jemand da war“, sagte er schliesslich. „Das ist anders als Einsamkeit.“

Kruemel, der 2023 dabei war, fragte: „Opa Kurt, ist Konrad allein oder einsam?“ Ich dachte nach. „Allein“, sagte ich schliesslich. „Das ist sein Weg. Und er hat ihn selbst gewaehlt.“ Konrad nickte kurz. Dann verschwand er.

Jedenfalls, Kinder: Manche brauchen viele um sich. Manche brauchen einen. Und manche – wie Konrad – brauchen nur ihren Tunnel, ihre Wuermer und ihren Frieden.

Das ist keine Einsamkeit. Das ist eine Entscheidung.

Gute Nacht.

Mit Unterstützung von KI erstellt.

Ähnliche Beiträge