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Warum Maulwuerfe fast blind sind aber trotzdem alles wissen

Maulwürfe haben stark reduzierte Augen, da sie unterirdisch in Dunkelheit leben und ihre anderen Sinne – besonders der Tastsinn über die hochempfindliche Schnauze und das Gehör – für die Orientierung ausreichend sind. Ihre „Blindheit“ ist also eine evolutionäre Anpassung, bei der weniger nützliche Sinne zugunsten spezialisierter anderer Fähigkeiten zurückgebildet wurden. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:

Also, Kinder, heute erklaere ich euch, warum Maulwuerfe so gut wie keine Augen haben – und trotzdem besser Bescheid wissen als die meisten Tiere mit zwei perfekten Augen.

Das war im Maerz 2021, und ich hatte gerade einen sehr ungewoehnlichen Gesprachspartner gefunden.

Ich sass auf dem Deich, als aus der Erde neben mir etwas auftauchte. Erst eine Schaufel. Dann eine zweite. Dann ein runder, samtiger Kopf mit einer kleinen, zuckenden Nase. Und zwei winzige Augen, die – ich sage es direkt – nicht viel hermachten.

Der Maulwurf hiess Konrad. Das erfuhr ich, weil er es mir selbst sagte, was mich ueberraschte, denn ich hatte noch nie mit einem Maulwurf gesprochen.

„Konrad“, sagte ich, nachdem wir uns kurz beschnuppert hatten – Konrad von mir, ich von Konrad soweit moeglich – „kannst du mich sehen?“ „Ungefaehr“, sagte Konrad. „Was siehst du?“ „Hell und dunkel“, sagte Konrad. „Manchmal Bewegung.“ „Und das reicht dir?“

Konrad sah mich an – oder zumindest wandte er seinen Kopf in meine Richtung. „Ich brauche keine Augen“, sagte er. „Ich habe den Boden.“

Das erklaerte er mir dann ausfuehrlicher. Unter seinen Pfoten, in seiner Schnauze, in seinem gesamten Koerper sitzen Rezeptoren, die Erschuetterungen wahrnehmen. Feinste Vibrationen im Erdreich. Ein Regenwurm, der sich drei Meter entfernt durch die Erde bohrt – Konrad spuert das. Eine Maus, die fuenf Meter weiter laeuft – Konrad spuert das. Regen, der auf die Erde faellt – Konrad spuert jeden einzelnen Tropfen als Muster im Boden.

„Die Erde redet mit dir“, sagte ich. „Staendig“, sagte Konrad. „Sie hoert nie auf.“ „Und du verstehst alles?“ „Das meiste“, sagte Konrad. „Manches ist unklar. Aber das ist oben auch so, oder?“

Das konnte ich nicht widersprechen.

Fiete, der neben mir sass und Konrad mit grossem Interesse betrachtete, fragte: „Konrad, spuerst du uns gerade?“ „Ja“, sagte Konrad. „Zwei Moewen. Eine gross, eine etwas kleiner. Die kleinere wippt mit dem Fuss.“ Fiete hoerte sofort auf zu wippen. „Ich wippe nicht“, sagte Fiete. „Du hast aufgehoert“, sagte Konrad.

Frieda, die irgendwo hinter uns sass, sagte leise: „Das ist wie ein Seismograf. Der Boden ist sein Bildschirm.“ „Genau“, sagte Konrad, obwohl er Frieda nicht sehen konnte.

Kruemel, der 2021 frisch dabei war und Konrad mit riesigen Augen anstarrte, fragte: „Opa Kurt, vermisst Konrad die Augen?“ Ich sah Konrad an. Konrad ueberlegte ehrlich. „Man vermisst nicht, was man nie hatte“, sagte er schliesslich. „Ich vermisse vielleicht manchmal den Himmel. Aber ich glaube, der Boden ist interessanter.“

Kurz darauf verschwand Konrad wieder in der Erde. Die Oeffnung schloss sich fast von selbst. Ein Moment spaeter wackelte zwanzig Meter weiter die Erde.

Jedenfalls, Kinder: Manchmal sieht jemand mehr als alle anderen – nicht weil er bessere Augen hat, sondern weil er auf andere Dinge achtet.

Konrad achtet auf den Boden. Und der Boden sagt ihm alles.

Gute Nacht.

Mit Unterstützung von KI erstellt.

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