Warum Mäuse nachts aktiv sind
Mäuse sind nachts aktiv, weil sie als Beutetiere durch die Dunkelheit vor vielen Raubtieren geschützt sind, die überwiegend tagsüber jagen. Zudem haben Mäuse mit ihren großen Ohren und empfindlichen Vibrissen (Schnurrhaaren) spezialisierte Sinne entwickelt, die ihnen in der Dunkelheit einen Vorteil beim Nahrungserwerb verschaffen. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erkläre ich euch, warum Mäuse nachts aktiv sind und tagsüber schlafen. Winter 1992. Bremerhaven, kurz nach Silvester. Ich saß auf dem Dachfirst der alten Lagerhalle am Südhafen. Aus einem Riss in der Wand kam eine Maus. Klein. Grau. Ohren zu groß für den Körper. Sie hieß Hermine — weil sie so aussah wie eine Hermine. Krümel flüsterte: Warum schläft die nicht? Es ist drei Uhr morgens. Ich: Weil das ihre Zeit ist. Mäuse schlafen tagsüber, wenn Katzen wach sind, wenn Greifvögel kreisen, wenn die Welt hell und gefährlich ist. Wenn die Welt dunkel wird — wenn Katzen dösen, Vögel schlafen, Menschen im Bett liegen — dann öffnen sich die Mäuseaugen. Immer noch gefährlich. Aber ein bisschen weniger. Hermine lief zu einem bestimmten Riss. Dann zu einem Brett. Dann zu einem Punkt den ich nicht sehen konnte — sie holte etwas, Brot wohl — und zurück. Gesamtstrecke: vierzehn Meter. Hin und zurück. Das war ihre Welt in dieser Nacht. Krümel: So wenig? Frieda: Dafür kennt sie jeden Zentimeter davon. Hermine lief ohne zu zögern. Kein falscher Schritt. In ihrer kleinen dunklen vierzehn-Meter-Welt war sie vollkommen zu Hause. Manchmal ist eine kleine Welt besser als eine große — wenn man sie wirklich kennt. Gute Nacht.
