|

Warum Krabben seitwärts laufen

Krabben laufen seitwärts, weil ihre Beine an der Seite ihres Körpers angebracht sind und anatomisch so konstruiert sind, dass eine seitwärts gerichtete Bewegung effizienter und schneller ist als vorwärts gehen. Diese Bewegungsweise ermöglicht es ihnen zudem, schneller zu reagieren und zu fliehen, während sie gleichzeitig ihre Augen auf potenzielle Bedrohungen richten können. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:

Also, Kinder, heute erkläre ich euch, warum Krabben seitwärts laufen. Nicht vorwärts. Nicht rückwärts. Seitwärts. Als ob sie ständig an jemandem vorbeischleichen wollen, ohne es zuzugeben.

Das war im Sommer 1963. Ich saß auf einem Poller im Bremerhavener Fischereihafen und beobachtete eine Krabbe, die versuchte, geradeaus zu laufen.

Sie hieß Hildegard. Das weiß ich, weil sie es mir später selbst sagte, mit einer Würde, die für ein Tier ihrer Größe bemerkenswert war.

Hildegard lief. Geradeaus. Mit großer Entschlossenheit.

Und kam dabei links raus.

Sie korrigierte. Lief wieder. Kam rechts raus.

Sie blieb stehen. Dachte nach. Versuchte es erneut.

Links.

Fiete, der neben mir saß und eine Fischgräte im Schnabel drehte, sagte: „Die ist kaputt.“
„Die ist nicht kaputt“, sagte ich. Obwohl ich mir nicht ganz sicher war.

Ich flog hinunter und fragte Hildegard, was das Problem sei.

Sie sah mich an mit dem Blick von jemandem, der schon sehr lange etwas erklärt und dabei nie Gehör gefunden hat.

„Meine Beine stehen seitlich. Nicht vorne und hinten. Seitlich.“
„Ja.“
„Also läuft seitwärts am besten.“
„Warum sind sie dann seitlich?“

Hildegard seufzte. Das klang bei einer Krabbe wie ein kleines Blubbern.

Vor sehr langer Zeit hatten Krabben versucht, vorwärts zu laufen wie alle anderen. Es hatte nicht gut funktioniert. Eine besonders unglückliche Ur-Krabbe namens Ernst hatte sich bei dem Versuch, geradeaus zu rennen, dreimal überschlagen und war dabei in einen Aal geraten, was für beide Seiten unangenehm war.

Irgendwann hatte eine kluge Krabbe – Hildegards Ur-Ur-Ur-Großmutter, wie sie betonte – festgestellt, dass seitwärts viel flüssiger ging. Schneller. Stabiler. Die Beine griffen besser. Der Körper blieb ruhig.

„Und seitdem laufen alle Krabben seitwärts?“
„Seitdem laufen alle Krabben seitwärts.“
„Stört euch das nicht?“

Sie überlegte kurz.
„Uns stört es nicht. Nur die, die geradeaus schauen und uns kommen sehen. Die wissen nie, ob wir auf sie zu- oder weglaufen.“

Das, dachte ich, ist eigentlich ein Vorteil.

Hildegard lief davon. Seitwärts. Sehr schnell. Sie verschwand unter einem Stein, ohne ein weiteres Wort.

Kinder, manchmal ist der schräge Weg der schnellste. Das kommt auf die Beine an.

Gute Nacht.

Mit Unterstützung von KI erstellt.

Ähnliche Beiträge