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Warum Krabben ihre Schere abwerfen können

Krabben können ihre Scheren (Klauen) durch einen biologischen Mechanismus namens Autotomie abwerfen, um sich aus Raubtiergreifen zu befreien oder bei drohenden Verletzungen zu entkommen. Die abgeworfene Schere kann später regeneriert werden, was einen Überlebensvorteil darstellt, der den temporären Funktionsverlust aufwiegt. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:

Also, Kinder, heute erkläre ich euch, warum Krabben einfach ihre Schere lassen können, wenn jemand daran zieht. Einfach so. Weg. Tschüss. Und danach wächst eine neue. Das klingt praktisch. Ist es auch. Aber es hat einen Preis.

Das war 1966, wieder Helgoland. Ich hatte dort quasi ein Büro, so oft war ich dort.

Ich beobachtete eine Krabbe namens Siegfried. Siegfried war mittelgroß, hatte zwei ordentliche Scheren, und war gerade dabei, einen besonders guten Platz unter einem Stein zu beanspruchen.

Dann kam ein Fisch. Ein Lippfisch, neugierig und zu groß für seinen eigenen Verstand. Er schnappte nach Siegfrieds rechter Schere.

Was dann passierte, ging sehr schnell.

Siegfried ließ die Schere einfach da. Ließ sie beim Fisch. Und lief weg. Mit sieben Beinen und einer Schere.

Der Fisch stand da mit der Schere im Maul. Sah verwirrt aus. Die Schere zwickte noch ein bisschen nach – eine letzte Reflexreaktion – und der Fisch spuckte sie aus und schwamm davon, beleidigt.

Ich flog zu Siegfried, der sich inzwischen unter dem Stein in Sicherheit gebracht hatte.

„Tut das nicht weh?“, fragte ich.
„Doch“, sagte Siegfried.
„Und trotzdem?“
„Lieber Schmerz als gefressen werden.“

Er erklärte mir, dass die Schere an einer bestimmten Stelle eine Art Sollbruchpunkt hat. Wenn der Zug zu stark wird, bricht sie dort ab. Sauber. Kein Blut. Die Wunde schließt sich sofort.

„Und dann wächst eine neue?“
„In einigen Wochen. Kleiner zuerst. Dann größer.“
„Vermisst du sie?“

Siegfried dachte nach.
„Die rechte Schere war meine Lieblingsschere. Damit hab ich die besten Muscheln geknackt.“
„Das tut mir leid.“
„Geht vorbei“, sagte er. „Die neue wird auch gut.“

Marta, die das von oben gehört hatte, sagte später zu mir: „Das ist eigentlich sehr klug. Lieber etwas verlieren als alles.“

Ich dachte an Siegfrieds Lieblingsschere und sagte nichts.

Kinder, manchmal muss man etwas loslassen, um weiterzukommen. Das Neue wächst nach. Meistens.

Gute Nacht.

Mit Unterstützung von KI erstellt.

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