Warum Katzen sich in Kartons zwangen
Katzen zwängen sich in Kartons, weil diese ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln – die engen Wände wirken beruhigend und reduzieren Stress, ähnlich wie ein geschütztes Versteck in der Natur. Zusätzlich bieten Kartons eine thermische Isolation und ermöglichen es Katzen, ihre Umgebung zu beobachten, ohne selbst leicht wahrgenommen zu werden. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erklaere ich euch, warum Katzen sich in jeden Karton setzen, den sie finden – auch wenn der viel zu klein ist.
Das war im Dezember 2015, kurz vor Weihnachten, und ich sass auf dem Gelaender eines Balkons, als drinnen ein Schauspiel begann, das ich bis heute nicht vergessen habe.
Die Familie hatte Pakete ausgepackt. Ueberall lagen Kartons. Grosse, kleine, mittelgrosse. Und die Katze – sie hiess Socke, wegen eines weissen Flecks an der rechten Hinterpfote – stand mitten in diesem Karton-Wald und bewertete die Lage.
Dann traf sie eine Entscheidung. Sie waehlte den kleinsten Karton. Einen, der eigentlich fuer eine Tasse gedacht war. Socke war groesser als eine Tasse. Deutlich groesser. Aber Socke setzte sich rein. Ernsthaft. Konzentriert. Zuerst die Vorderpfoten. Dann der Rest. Es dauerte eine Weile. Am Ende sass Socke im Karton, schaute heraus, und sah vollkommen zufrieden aus. Obwohl die Hinterpfoten noch halb draussen waren.
Ich klopfte ans Glas. Socke sah mich an.
„Socke. Der Karton ist zu klein.“ „Nein“, sagte Socke. „Deine Pfoten sind draussen.“ „Das ist Absicht“, sagte Socke.
Das war offensichtlich nicht die Wahrheit, aber ich liess es stehen. Stattdessen fragte ich: „Warum der kleinste?“
Und Socke erklaerte es mir. Enge Raeume, so Socke, sind sicher. In der Wildnis bedeutet ein enger Spalt, eine Hoehle, eine Felsspalte: hier kommt nichts rein, das groesser ist als ich. Hier kann mich nichts von hinten ueberraschen. Hier sind alle Seiten geschuetzt bis auf eine – und die beobachte ich.
„Du fuehlst dich im Karton sicherer als auf dem Sofa?“ „Ja“, sagte Socke. „Auf dem Sofa bin ich von allen Seiten offen.“ „Aber ihr seid im fuenften Stock.“ „Das ist egal“, sagte Socke. „Der Instinkt weiss das nicht.“
Das leuchtete mir ein. Instinkte, das hatte ich inzwischen gelernt, kennen keine Stockwerke.
Kruemel, der seit 2022 dabei war und neben mir auf dem Gelaender sass, fragte: „Opa Kurt, warum setzen Katzen sich auch in Kreise, die jemand auf den Boden gemalt hat?“ Das war eine sehr gute Frage. Ich dachte nach. „Weil ein Kreis auf dem Boden fuer eine Katze wie ein Karton aussieht“, sagte ich. „Eine Grenze. Ein umschlossener Raum. Also rein damit.“ „Auch wenn da keine Waende sind?“ „Auch dann.“
Kruemel nickte nachdenklich. „Katzen sind seltsam.“ „Katzen“, sagte ich, „sind konsequent. Das ist etwas anderes.“
Socke hatte inzwischen die Augen geschlossen. Im zu kleinen Karton. Vollkommen zufrieden.
Jedenfalls, Kinder: Wenn eure Katze in einem Karton sitzt, der viel zu klein ist – lasst sie. Sie ist gerade am sichersten Ort der Welt. Fuer sie jedenfalls.
Gute Nacht.
Mit Unterstützung von KI erstellt.
