Warum Katzen nachts durch die Wohnung rasen
Katzen sind dämmerungsaktive Jäger, deren Stoffwechsel nachts aktiv wird und die dann einen natürlichen Bewegungsdrang verspüren. Dieses Verhalten, auch „Fünf-Minuten-Wahnsinn“ genannt, dient der Energieabbau und der Simulation von Jagdaktivitäten, die in der freien Natur notwendig wären. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erklaere ich euch, warum Katzen nachts ploetzlich durch die ganze Wohnung rasen, genau dann, wenn alle schlafen.
Das war im Juli 2018, und ich hatte ausnahmsweise eine Nacht auf dem Dachfirst verbracht – sehr angenehm, wenn der Mond schoen steht – als ich unten in einer hell erleuchteten Wohnung eine Katze beobachtete, die eindeutig der Meinung war, dass jetzt genau die richtige Zeit fuer Sport sei.
Die Katze hiess Mitternacht. Was, wie ich fand, perfekt passte. Sie schoss durchs Wohnzimmer. Sprang aufs Sofa. Sprang wieder runter. Raste durch den Flur. Sprang auf den Schrank. Raste zurueck. Alles in etwa achtzehn Sekunden.
Dann sass sie mitten im Wohnzimmer und leckte sich eine Pfote, als waere nichts gewesen.
Ich flog ans offene Dachfenster. „Mitternacht“, sagte ich. „Es ist drei Uhr nachts.“ „Ja“, sagte Mitternacht. „Alle schlafen.“ „Ich nicht“, sagte Mitternacht.
Das war offensichtlich. Ich fragte: „Warum nicht?“
Und Mitternacht erklaerte mir die eigentliche Sache. Katzen sind nicht nacht- oder tagaktiv. Sie sind daemmerungsaktiv – das bedeutet, sie sind am aktivsten in der Morgen- und Abenddaemmerung. Das ist die Zeit, wenn kleine Tiere aus ihren Verstecken kommen. Das ist die beste Jagdzeit.
Aber in einer Wohnung gibt es keine Daemmerung. Die Jalousien sind unten. Es gibt kein Draussen. Also verschiebt sich der Rhythmus. Und manchmal landet er mitten in der Nacht.
„Du jagst etwas?“, fragte ich. „Ich uebe“, sagte Mitternacht. „Was uebst du?“ „Das Jagen“, sagte Mitternacht. „Falls ich mal rausdarf.“
Das war ein etwas trauriger Gedanke. Eine Katze, die drinnen lebt, die uebt nachts das Jagen fuer ein Draussen, das sie vielleicht nie haben wird.
Fiete, der irgendwo hinter mir auf dem Dachfirst doeste, hatte das Ende des Gespraechs mitbekommen und murmelte: „Das kenn ich. Ich flieg manchmal Formationen, wenn kein Fisch da ist. Einfach so. Fuer den Fall.“ „Fuer welchen Fall?“, fragte ich. „Falls mal sehr viele Fische gleichzeitig auftauchen“, sagte Fiete. „Dann bin ich bereit.“
Mitternacht hatte inzwischen die zweite Runde begonnen.
Jedenfalls, Kinder: Wenn eure Katze um drei Uhr nachts durch die Wohnung rast und dabei den Eindruck macht, als waere ein unsichtbares Tier auf der Flucht vor ihr – dann stimmt das fast. In ihrem Kopf ist es. Sie jagt. Sie uebt. Sie ist ganz bei sich.
Das ist ihr Recht. Auch wenn ihr das morgen frueh anders seht.
Gute Nacht.
Mit Unterstützung von KI erstellt.
