Warum Katzen immer die hoechste Stelle suchen
Katzen suchen erhöhte Positionen auf, weil dies ihnen einen besseren Überblick über ihre Umgebung verschafft und sie vor Bedrohungen schützt – ein Verhalten, das aus ihrer evolutionären Vergangenheit als Raubtiere stammt. Zudem bieten höhere Plätze Katzen Rückzugsorte, an denen sie sich sicher und in Kontrolle fühlen. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erklaere ich euch, warum Katzen immer ganz oben sein wollen. Auf dem Schrank. Auf dem Kuehlschrank. Auf der Schulter des Menschen, wenn es gar nicht anders geht.
Das war im Januar 2014, und ich – ausgerechnet ich, eine Moewe, die selbst gerne hoch sitzt – traf eine Katze, die mich in dieser Disziplin deutlich ueberbot.
Ich sass auf dem Dachfirst eines Hauses am Hafen. Gute Aussicht, guter Wind. Und dann hoerte ich ein Geraeusch neben mir. Ich drehte mich um. Da sass eine Katze.
Eine orange-weisse Katze, mittelgross, mit dem unerschuetterlichen Gesicht von jemandem, der genau weiss, dass er an den richtigen Platz gehoert. Sie hiess, wie ich spaeter erfuhr, Napoleon. Was ich fuer sehr passend hielt.
„Wie bist du hier raufgekommen?“, fragte ich. „Durch das Dachfenster“, sagte Napoleon. „Dann ueber die Regenrinne. Dann hier.“ „Warum?“ Napoleon sah mich an, als waere das eine sehr naive Frage. „Weil das hier der hoechste Punkt ist.“ „Und?“ „Von hier aus sehe ich alles.“
Das stimmte. Ich sah von hier aus auch alles. Aber ich hatte Fluegel. Napoleon hatte vier Pfoten und eine Regenrinne.
Napoleon erklaerte mir dann, warum Katzen das tun. In der Wildnis lebten Katzen nicht am Boden. Sie lebten in Baeumen. Auf Felsen. Auf allem, was hoch genug war, um einen Ueberblick zu geben. Von oben sieht man die Beute. Von oben sieht man den Feind. Von oben ist man sicher, weil kaum etwas von oben angreift. Der Boden ist das, wo Gefahren lauern. Die Hoehe ist, wo die Kontrolle ist.
„Und du brauchst Kontrolle?“, fragte ich. „Ich brauche Ueberblick“, sagte Napoleon. „Das ist nicht dasselbe.“
Fiete, der irgendwo unter uns auf dem Fensterbrett sass und uns beobachtete, rief: „Kurt! Was macht die Katze da oben?“ „Dasselbe wie wir“, rief ich zurueck. „Wir sind Moewen“, rief Fiete. „Und sie ist eine Katze auf einem Dach“, rief ich. „Jeder auf seine Art.“
Napoleon sah geradeaus. Der Hafen lag vor uns, grau und weit. Die Kraene. Die Kutter. Das Wasser.
„Schoen hier“, sagte Napoleon nach einer Weile. „Ja“, sagte ich.
Wir sassen noch eine Weile zusammen, die Moewe und die Katze, auf dem hoechsten Punkt des Hauses. Keiner sagte viel. Das war auch nicht noetig.
Jedenfalls, Kinder: Wenn eure Katze auf dem Schrank sitzt und auf euch heruntersieht – das ist kein Hochmut. Das ist Natur. Das ist der uralte Wunsch, alles im Blick zu haben. Sicher zu sein. Oben zu sein.
Manchmal ist das Klugste, was man tun kann, einfach hochzugehen.
Gute Nacht.
Mit Unterstützung von KI erstellt.
