|

Warum Katzen Gegenstaende vom Tisch schubsen

Katzen stoßen Gegenstände absichtlich vom Tisch, um ihre Umgebung zu erkunden und zu testen, wie diese reagiert – dies ist ein natürliches Jagd- und Explorationverhalten. Gleichzeitig kann dieses Verhalten auch Aufmerksamkeitssuche signalisieren, besonders wenn die Katze merkt, dass sie dadurch eine Reaktion ihres Menschen auslöst. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:

Also, Kinder, heute erklaere ich euch, warum Katzen Dinge vom Tisch schubsen. Absichtlich. Und dabei zuschauen, wie sie fallen.

Das war im November 2019, und ich sass auf dem Kuehlschrank einer Kueche in der Naehe des Hafens – das Fenster stand offen, es war kalt, aber ich hatte gute Gruende drinnen zu sein, naemlich einen sehr interessanten Vorgang auf dem Esstisch.

Die Katze hiess Klops. Ein dicker, orangefarbener Kater mit dem Gesicht eines Mannes, der sehr genau weiss, was er will. Klops sass auf dem Esstisch neben einer Reihe von Gegenstaenden: eine Tasse, ein Kugelschreiber, ein Schluessel, ein kleines Buch.

Klops schaute die Tasse an. Legte eine Pfote drauf. Schob sie langsam zum Rand. Und liess sie fallen.

Die Tasse fiel. Klops schaute ihr nach. Dann schaute er auf den Kugelschreiber.

„Klops“, sagte ich. „Was tust du da?“ „Ich teste“, sagte Klops. „Was testest du?“ „Ob es faellt.“ „Du weisst, dass es faellt. Du hast gerade gesehen, wie die Tasse faellt.“ „Das war die Tasse“, sagte Klops. „Der Kugelschreiber koennte anders sein.“

Ich schwieg einen Moment. Dann: „Faellt er auch?“ „Das finde ich gleich heraus“, sagte Klops.

Er schob den Kugelschreiber vom Tisch. Der Kugelschreiber fiel. Klops sah ihm nach mit dem Gesicht eines Wissenschaftlers, der ein Experiment bestaetigt sieht. Dann sah er den Schluessel an.

Ich fragte: „Klops. Ernsthaft. Warum?“

Und Klops erklaerte mir, in der ruhigen Art eines Katers, der viel Zeit zum Nachdenken hatte: Gegenstaende, die sich bewegen, koennten lebendig sein. Das ist der Grundgedanke. In der Wildnis muss eine Katze wissen: Ist das Beute? Ist das gefaehrlich? Ist das tot oder lebendig?

Die beste Methode: anstupsen. Wenn es sich von selbst bewegt, ist es lebendig. Wenn es faellt und liegen bleibt, ist es tot. Oder ein Kugelschreiber.

„Und die Tasse?“, fragte ich. „Hast du jetzt gelernt, dass Tassen tot sind?“ „Ich habe gelernt“, sagte Klops, „dass Tassen interessant fallen. Und dass mein Mensch dann ein bestimmtes Geraeusch macht.“ „Er war wuetend.“ „Er war aufgeregt“, sagte Klops. „Das ist auch interessant.“

Frieda, die irgendwo hinter mir auf dem Kuehlschrank sass, sagte leise: „Die Katze studiert Ursache und Wirkung.“ „Die Katze schmeisst Sachen runter“, sagte ich. „Das ist dasselbe“, sagte Frieda.

Klops hatte inzwischen den Schluessel gesichert. Er fiel mit einem sehr befriedigenden Klirren. Klops sah zufrieden aus.

Jedenfalls, Kinder: Wenn eure Katze Dinge vom Tisch schubst – sie ist nicht boese. Sie ist neugierig. Sie macht Wissenschaft. Schlechte Wissenschaft mit eurem Lieblingsbecher, ja. Aber Wissenschaft.

Raeumt die Tassen weg. Dann schiebt sie eben den Kugelschreiber.

Gute Nacht.

Mit Unterstützung von KI erstellt.

Ähnliche Beiträge