Warum Hunde im Schlaf zucken und winseln
Hunde zucken und winseln im Schlaf, weil sie wie Menschen REM-Schlafphasen durchlaufen, in denen das Gehirn aktiv ist und Träume verarbeitet werden. Diese unwillkürlichen Bewegungen und Lautäußerungen sind völlig normal und deuten darauf hin, dass der Hund träumt, möglicherweise von Alltagserlebnissen wie Spielen oder Jagd. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erkläre ich euch, warum Hunde im Schlaf strampeln, winseln und mit den Pfoten zucken.
Das war an einem Novembernachmittag im Jahr 2005, und ich saß auf dem warmen Abgasrohr des alten Kutterschuppens – sehr angenehm im Winter, das empfehle ich – und schaute auf einen Dalmatiner hinunter, der auf einer Decke vor dem Schuppen schlief.
Der Dalmatiner hieß Punkte, was ich für einen einfallslosen Namen halte, der aber zumindest zutreffend war. Punkte schlief. Tief und fest. Und dann begann er plötzlich zu zucken. Die Vorderpfoten bewegten sich schnell, wie beim Laufen. Die Hinterpfoten folgten. Er machte ein kleines, gedämpftes Geräusch – halb Winseln, halb Bellen, sehr leise. Und sein Schwanz wedelte einmal kurz, ganz für sich allein.
Ich war fasziniert. Ich flog hinunter und setzte mich neben die Decke.
Fiete, der irgendwo hinter mir landete, flüsterte: „Ist der krank?“
„Nein“, flüsterte ich. „Ich glaube, er schläft.“
„Aber er läuft.“
„Ja.“
Ich wartete, bis Punkte aufwachte. Das dauerte eine Weile. Dann öffnete er die Augen, blinzelte, und sah mich an mit dem Gesicht eines Hundes, der gerade sehr weit weg gewesen ist.
„Punkte“, sagte ich leise. „Wo warst du gerade?“
Punkte überlegte. „Am Strand“, sagte er schließlich. „Ich hab Möwen gejagt.“
„Möwen“, sagte ich.
„Ja.“ Er sah mich an. „Keine Beleidigung.“
„Keine genommen“, sagte ich, und das war nicht ganz die Wahrheit. „Und hattest du Erfolg?“
„Fast“, sagte Punkte. „Ich war kurz davor. Und dann bin ich aufgewacht.“
Ich dachte darüber nach. Und dann erklärte Punkte mir, was er selbst darüber wusste: Hunde träumen. Genau wie Menschen. Im Schlaf durchleben sie den Tag nochmal, oder sie erleben Dinge, die sie sich wünschen, oder Dinge die sie fürchten. Und wenn der Traum lebendig genug ist, dann macht der Körper mit. Die Pfoten laufen, weil der Hund im Traum läuft. Der Schwanz wedelt, weil im Traum jemand kommt, den er liebt.
„Und das Winseln?“, fragte ich.
„Das war, als ich fast dran war an der Möwe“, sagte Punkte. „Das ist Aufregung.“
Fiete, der neben mir saß, sagte: „Der hat fast eine Möwe erwischt.“
„Im Traum“, sagte ich.
„Trotzdem“, sagte Fiete.
Marta, die von oben zuhörte, rief: „Kurt, ich würde jetzt weiterfliegen.“
Ich blieb sitzen. Es ist wichtig, solche Gespräche zu Ende zu führen.
Punkte schloss die Augen wieder. Vor dem Einschlafen sagte er noch: „Ich komme wieder dahin. Zum Strand. Und dieses Mal klappe ich den Schnabel auf.“
„Schön“, sagte ich.
Und wisst ihr, Kinder? Das ist eigentlich sehr tröstlich. Ein Hund, der träumt, lebt im Schlaf ein zweites Leben. Er jagt, er spielt, er läuft, er liebt. Und manchmal, wenn die Pfoten zucken und der Schwanz wedelt und ein kleines Winseln kommt – dann ist da gerade jemand sehr, sehr glücklich.
Auch wenn er die Augen zu hat.
Gute Nacht.
