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Warum Hunde ihr Futter vergraben

Hunde vergraben Futter aufgrund eines angeborenen Instinkts ihrer Vorfahren, die Nahrung für schlechte Zeiten horteten und versteckten, um Konkurrenten fernzuhalten. Dieses Verhalten hilft ihnen auch heute noch, ihre Ressourcen zu „sichern“ und eine Notreserve anzulegen. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:

Also, Kinder, heute erkläre ich euch, warum Hunde ihr Futter vergraben.

Das war im Oktober 2011, und ich hatte gerade einen besonders guten Tag. Der Wind kam aus Nordwest, die Luft roch nach Regen und Fisch, und ich saß auf der alten Kaimauer beim Fischereihafen, als unten im Sand etwas sehr Seltsames geschah.

Ein goldbrauner Hund – er hieß Bello, wie ich von seinem Menschen hörte, der ihn rief und dabei nicht gehört wurde – grub mit beiden Vorderpfoten ein Loch in den Sandboden neben dem Weg. Ernsthaft, konzentriert, als würde er nach etwas Wichtigem suchen. Dann legte er einen Knochen hinein. Schaute kurz nach links. Schaute nach rechts. Scharrte Sand drüber. Und lief dann weg, als wäre nichts gewesen.

Ich war verwirrt. Ich flog hinunter und landete neben dem frischen Erdhaufen.

„Entschuldigung“, rief ich Bello nach. „Warum hast du das gerade vergraben?“

Bello blieb stehen. Drehte sich um. Sah mich an.

„Sicherheit“, sagte er.

„Vor wem?“

„Vor allem.“

Das war keine besonders ausführliche Antwort, also blieb ich hartnäckig. Bello seufzte und kam zurück. Er setzte sich, sah kurz auf die Stelle im Sand, dann auf mich.

„Meine Vorfahren“, sagte er, „hatten keinen Futternapf. Die mussten jagen. Und manchmal hat man bei der Jagd mehr erwischt als man essen konnte. Ein Reh zum Beispiel. Oder ein großes Kaninchen. Was macht man dann mit dem Rest?“

„Man teilt?“, schlug ich vor.

„Man teilt nicht“, sagte Bello. „Man vergräbt. Damit kein anderer es findet. Damit man morgen noch etwas hat. Oder übermorgen. Die Erde kühlt, die Erde schützt, und wenn man wiederkommt, ist noch was da.“

Das klang vernünftig. Ich dachte an Fiete, der manchmal Fische unter dem alten Tau auf dem Achterdeck versteckte. Aus ähnlichen Gründen, vermutete ich.

„Aber Bello“, sagte ich, „du hast einen Napf zuhause. Dein Mensch füllt ihn jeden Tag.“

„Ja“, sagte Bello.

„Du wirst also nicht verhungern.“

„Nein.“

„Und trotzdem vergräbst du den Knochen.“

„Ja.“

Ich wartete.

„Man weiß nie“, sagte Bello schließlich. Und dann lief er zurück zu seinem Menschen, der inzwischen etwas lauter rief.

Ich saß noch eine Weile am Erdhaufen und dachte nach. Marta, die vorbeikam, fragte: „Was machst du da?“ Ich sagte: „Ich denke über Vorsorge nach.“ Marta nickte ernst. „Gutes Thema“, sagte sie, und flog weiter.

Wisst ihr, Kinder, was ich dabei gelernt habe? Bello vergräbt nicht, weil er dumm ist oder vergesslich. Er vergräbt, weil in ihm noch immer der alte Hund steckt, der draußen lebte und für sich selbst sorgen musste. Das ist kein schlechter Instinkt. Das ist Umsicht. Das ist Planung.

Manche nennen das Hamstern. Ich nenne das klug.

Gute Nacht.

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