Warum Hunde fremde Hinterteile beschnüffeln
Hunde nutzen das Schnüffeln an den Analdrüsen anderer Hunde zur chemischen Kommunikation, um Informationen über Geschlecht, Gesundheitszustand, Alter und emotionale Zustand des anderen Hundes zu erfassen. Dieses Verhalten ist ein natürlicher Bestandteil ihrer sozialen Interaktion und ermöglicht es ihnen, sich gegenseitig zu identifizieren und einzuschätzen. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erkläre ich euch, warum Hunde sich gegenseitig am Hinterteil beschnüffeln.
Das war im April 2007, und ich saß auf meinem Lieblingspoller an der Columbuskaje, als unten auf dem Pflaster eine Begegnung stattfand, die mich sehr zum Nachdenken gebracht hat.
Ein kleiner Dackel – Würstchen, nannten ihn seine Menschen, was ich für keine besonders würdevolle Namensgebung halte – lief auf einen großen Schäferhund zu. Der Schäferhund hieß, wie ich später erfuhr, Kommissar. Was schon besser ist.
Würstchen und Kommissar beschnupperten sich kurz an der Schnauze. Dann gingen beide, wie selbstverständlich, zum Hinterteil des jeweils anderen und schnüffelten ausgiebig. Fiete, der neben mir saß und gerade an einer Fischgräte kaute, hielt inne.
„Kurt“, sagte er, „warum machen die das?“
„Gute Frage“, sagte ich.
Und weil ich eine gute Frage nie unbeantwortet lasse, beschloss ich, Kommissar direkt zu befragen. Ich flog hinunter, landete in sicherem Abstand – Schäferhunde sind groß und ich bin eine Möwe mit Würde – und rief: „Entschuldigung. Was genau sucht ihr da?“
Kommissar sah mich an. „Informationen“, sagte er.
„Was für Informationen?“
„Alles“, sagte er. „Wie alt Würstchen ist. Ob er gesund ist. Was er heute gefressen hat. Ob er Angst hat. Ob er gut drauf ist. Ob er jemanden kennt, den ich kenne.“
Ich blinzelte. „Das steht alles… da hinten?“
„Ja“, sagte Kommissar, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt.
Und dann erklärte er mir, was ich euch jetzt erkläre, Kinder: Die Nase eines Hundes ist so unfassbar leistungsfähig, dass sie in den Duftstoffen, die jeder Hund produziert, ein vollständiges Bild des anderen lesen kann. Es ist wie ein Personalausweis. Nur besser. Denn ein Personalausweis sagt nicht, ob jemand Bauchschmerzen hat oder gerade verliebt ist.
„Und warum genau hinten?“, fragte ich.
„Weil da die Drüsen sind, die am meisten verraten“, sagte Kommissar. „Vorn an der Schnauze riecht man nur, was man zuletzt gefressen hat.“
Würstchen nickte bestätigend. „Er hat Hering gehabt“, sagte er, auf Kommissar zeigend. „Mit Zwiebeln.“
Kommissar hustete kurz. „Muss nicht alles kommentiert werden.“
Ich flog zurück zu Fiete und erzählte ihm, was ich gelernt hatte. Fiete hörte aufmerksam zu, dann sagte er: „Also sowas wie wenn Frieda ihre Brille aufsetzt und einen von oben bis unten anschaut.“
Das fand ich ein gutes Bild. Frieda analysiert auch immer sehr gründlich. Nur eben mit den Augen. Und mit spitzem Kommentar danach.
Jedenfalls, Kinder: Wenn ein Hund einen anderen Hund am Hinterteil beschnüffelt, dann ist das nicht unhöflich. Das ist höflich. Das ist, wie Hunde Hallo sagen, sich vorstellen und gleichzeitig fragen wie es geht – alles auf einmal. In drei Sekunden.
Wir Menschen und Möwen brauchen dafür manchmal eine Stunde Smalltalk. Vielleicht sind die Hunde da ganz klar im Vorteil.
Gute Nacht.
