Warum Hunde den Kopf schief legen
Hunde legen den Kopf schief, um ihre Ohren besser auszurichten und Geräusche präziser lokalisieren zu können, sowie um ihr Sichtfeld zu verbessern, da ihre Schnauze sonst einen Teil ihres Blickwinkels verdeckt. Zudem kann diese Geste auch eine Aufmerksamkeitsreaktion darstellen, mit der Hunde signalisieren, dass sie interessiert sind und den Aussagen ihres Menschen folgen. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erkläre ich euch, warum Hunde den Kopf so komisch schief legen, wenn man mit ihnen redet.
Das war im Februar 2008, ein kalter Februartag, und ich saß auf dem Geländer vor dem alten Seemannsheim, als meine Aufmerksamkeit auf einen goldenen Retriever fiel, der auf der anderen Straßenseite saß und seinem Menschen zuhörte.
Der Mensch redete viel. Zu viel, fand ich. Er erklärte dem Hund – der hieß Oskar, das hörte ich mehrfach – irgendwas Langes über den Spaziergang und das Wetter und ob Oskar auch wirklich brav sein würde. Und Oskar saß da, und legte den Kopf nach rechts. Dann, nach einer Weile, nach links. Dann wieder rechts. Die Ohren zuckten. Die Augen waren vollkommen konzentriert.
Ich flog hinüber, nachdem der Mensch fertig geredet hatte.
„Oskar. Was hast du da gemacht?“
„Zugehört“, sagte Oskar.
„Du hast den Kopf schief gelegt.“
„Ja.“
„Warum?“
Oskar sah mich an, als wäre das eine merkwürdige Frage. Dann erklärte er es mir geduldig, wie man es einem erklärt, der noch nie richtig zugehört hat.
„Meine Ohren“, sagte Oskar, „sind rund. Eure Stimmen kommen von vorn. Wenn ich den Kopf gerade halte, höre ich vieles, aber nicht alles. Wenn ich ihn schief lege – links oder rechts – dann verändert sich der Winkel. Dann treffen die Schallwellen anders auf mein Ohr. Dann höre ich Dinge, die ich vorher nicht gehört habe.“
„Zum Beispiel?“, fragte ich.
„Ob in einem Wort ein Sssss steckt“, sagte Oskar. „Das ist meistens wichtig. Spaziergang. Spiel. Sofa.“
Das leuchtete mir ein. Ich dachte kurz nach.
„Und wenn du den Kopf wechselst? Erst rechts, dann links?“
„Dann vergleiche ich“, sagte Oskar. „Ich höre zweimal. Zur Sicherheit.“
Fiete, der unbemerkt neben mir gelandet war und zugehört hatte, sagte: „Das mach ich beim Fischen auch. Erst mit einem Auge, dann mit dem anderen.“
„Das ist etwas anderes“, sagte ich.
„Ist es nicht“, sagte Fiete.
Ich ließ es stehen.
Jedenfalls fragte ich Oskar noch: „Und verstehst du dann alles, was dein Mensch sagt?“
Oskar überlegte ehrlich. „Die Hälfte“, sagte er. „Aber ich kenne die wichtigen Wörter. Und ich sehe sein Gesicht. Und ich rieche, wie er sich fühlt. Zusammen reicht das.“
Das fand ich bemerkenswert. Oskar hörte mit den Ohren, las das Gesicht, roch die Stimmung – und legte dabei den Kopf schief, um noch ein bisschen mehr zu verstehen. Mit drei Sinnen gleichzeitig.
Ich fragte mich, wie viele Sinne wir Möwen beim Zuhören einsetzen. Einer, schätzte ich. Meistens.
Krümel, der seit 2022 immer dabei war und auch diesmal irgendwo hinter mir auftauchte, fragte: „Opa Kurt, macht Oskar das, weil er uns mag?“
„Ja“, sagte ich. „Auch das.“
Und das, Kinder, ist vielleicht die schönste Erklärung: Ein Hund, der den Kopf schief legt, versucht wirklich zuzuhören. Besser als er könnte, wenn er einfach geradeaus schaut. Das ist Mühe. Das ist Aufmerksamkeit. Das ist, auf seine Art, Liebe.
Gute Nacht.
