Warum Hasen mit den Hinterläufen trommeln
Hasen trommeln mit ihren Hinterläufen auf den Boden, um Artgenossen vor Gefahren wie Raubtieren zu warnen – diese vibrierenden Lautsignale können sich über größere Entfernungen ausbreiten und dienen als Alarmsignal. Dieses Verhalten, das „Pochen“ genannt wird, ist eine effektive Kommunikationsmethode in der Gruppe, da die Vibrationen auch von Hasen wahrgenommen werden können, die das visuelle Warnsignal nicht sehen würden. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erkläre ich euch, warum Hasen plötzlich mit beiden Hinterläufen so laut auf den Boden hämmern, dass man denkt, jemand klopft an die Tür.
Ich war dabei. Es war ein Dienstagabend, kurz nach dem Abendessen, irgendwo hinter dem Deich.
Marta – rotes Halstuch, kein Unsinn – und ich saßen oben auf dem alten Brückengeländer. Unten auf der Wiese: eine kleine Kaninchengruppe. Fünf, sechs Tiere, ruhig, friedlich, nagte hier, schnüffelte da.
Dann hörte ich es. Einmal. Zweimal. Ein dumpfes, sattes Dröhnen aus der Erde.
Bum. Bum-bum.
Alle Kaninchen erstarrten. Und dann – schwups – verschwanden sie. Einer nach dem anderen in die Erde, als hätte jemand sie weggewischt. In drei Sekunden war die Wiese leer.
„Was war das?“, fragte Marta.
„Das war die Zeitung“, sagte ich.
Marta sah mich an. Das Halstuch flatterte nicht. Das bedeutete: Ich höre zu, aber ich bezweifle dich bereits.
Also erkläre ich es.
Hasen und Kaninchen haben keine Stimme für Alarm. Sie können nicht rufen. Nicht schreien. Nicht pfeifen. In freier Wildbahn wäre das auch gefährlich – wer Lärm macht, verrät sich. Ein Fuchs hört ein schreiender Hase und denkt: Ausgezeichnet. Dort drüben.
Also haben die Hasen ein lautloses System erfunden. Na, fast lautlos.
Sie trommeln.
Die Hinterläufe – kräftig, muskulös, gebaut fürs Rennen – schlagen auf den Boden. Nicht irgendwie. Hart, rhythmisch, gezielt. Und die Vibration läuft durch die Erde. Durch Gras, durch Wurzeln, durch den ganzen Bau. Jedes Kaninchen spürt es in den Pfoten. In den Knochen. In der Magengrube.
Gefahr. Jetzt. Sofort.
Kein Wort nötig. Keine Stimme. Nur die Erde, die spricht.
Das erste Kaninchen, das das erfunden hat, hieß – soweit ich weiß – Hedwig. Kleine Häsin, sehr pragmatisch. Sie hatte einen Bussard gesehen, keine Zeit zu verlieren, und einfach losgetrommelt. Die anderen rannten. Funktionierte.
Seitdem trommeln alle.
„Und was hatte den Alarm ausgelöst heute?“, fragte Marta.
Ich schaute. Drüben, am Weidenzaun, saß ein alter Kater. Bewegungslos. Er schaute die Wiese an.
„Der da“, sagte ich.
Marta betrachtete den Kater. Der Kater betrachtete die leere Wiese.
„Er hat nicht mal gezuckt“, sagte Marta.
„Er weiß es“, sagte ich. „Der hat das schon öfter erlebt.“
Manchmal, Kinder, ist die klügste Warnung die, die kein Feind hören kann – nur die, für die sie gedacht ist.
Gute Nacht.
