Warum Frösche erst Kaulquappen sind
Frösche durchlaufen eine Metamorphose, weil dies eine evolutionäre Anpassung ist, die es ihnen ermöglicht, aquatische (Kaulquappen) und terrestrische (erwachsene Frösche) Lebensräume optimal zu nutzen. Die Kaulquappenphase mit Kiemen und Schwanz ist perfekt ans Wasserleben angepasst, während sich der erwachsene Frosch mit Lungenbestehumung und Beinen an Land fortbewegt. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erkläre ich euch, warum ein Frosch nicht einfach als Frosch auf die Welt kommt, sondern erst als etwas völlig anderes – nämlich als ein kleines, wabbeliges Wassertier ohne Beine, mit Schwanz, ohne Mund zum Quaken, ohne irgendetwas, was auch nur im Entferntesten nach Frosch aussieht.
Das war an einem Gartenteich in Wilhelmshaven. Ich kannte die Besitzerin des Gartens flüchtig. Sie ließ mich in Ruhe, ich ließ sie in Ruhe. Gute Nachbarschaft.
Im Teich: Froscheier. Viele. Dann Kaulquappen. Dann, nach Wochen, die ersten mit Beinchen.
Ich beobachtete das eine Weile und sprach dann mit einer halbfertigen Kaulquappe, der gerade die Hinterbeine wuchsen. Sie hieß Sieglinde und wirkte sehr beschäftigt mit sich selbst.
„Wie fühlt sich das an?“, fragte ich.
„Seltsam“, sagte Sieglinde.
„Schmerzt es?“
„Nein. Es juckt.“
„Und der Schwanz?“
„Wird kleiner. Von alleine.“
Das fand ich bemerkenswert. Ich fragte, ob sie wisse, was mit ihr passiere.
„Ich werde“, sagte Sieglinde, „etwas anderes.“
„Macht Ihnen das Angst?“
Sie überlegte. Ihre kleinen Beinchen zappelten kurz.
„Ich war immer Wasser“, sagte sie. „Bald bin ich auch Land.“
Ich sagte, das klinge nach einer sehr großen Veränderung für ein sehr kleines Tier.
Sieglinde sah mich an, so gut das mit Kaulquappenaugen geht.
„Ich habe keine Wahl. Aber ich glaube, es wird besser.“
„Warum glauben Sie das?“
„Weil alle, die vor mir waren, es überlebt haben.“
Das war eine sehr vernünftige Antwort.
Marta, die das von der Gartenmauer aus beobachtete, sagte leise: „Das ist eigentlich mutig. Sich so verändern, ohne zu wissen, wie man danach aussieht.“
Fiete, der neben ihr saß, zog seine Seemannsmütze zurecht. „Ich hätte Angst.“
„Du hast Angst vor Regenwürmern“, sagte Marta.
„Das ist etwas anderes.“
Sieglinde tauchte unter. Als sie drei Wochen später wieder auftauchte, hatte sie vier Beine, keinen Schwanz mehr, und saß auf einem Stein in der Sonne.
Sie sah zufrieden aus.
Kinder, manchmal muss man erst etwas ganz anderes werden, bevor man das wird, was man eigentlich ist.
Gute Nacht.
Mit Unterstützung von KI erstellt.
