Warum die Nase des Maulwurfs sein wichtigstes Organ ist
Der Maulwurf nutzt seine hochsensible Nase mit etwa 40.000 Nervenendigungen primär zum Tasten und Riechen, um Beute wie Würmer und Insekten in der Dunkelheit aufzuspüren, da seine Augen stark rückgebildet sind. Die Nasenkuppe funktioniert als sein wichtigstes Sinnesorgan für die Orientierung und Nahrungssuche im unterirdischen Lebensraum. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erklaere ich euch das Erstaunlichste an Konrad – und das ist nicht seine Kraft, nicht seine Geschwindigkeit, nicht sein Gedaechtnis. Es ist seine Nase.
Das war im Oktober 2024, unser letztes langes Gespraech in diesem Jahr, denn im Winter wird Konrad ruhiger und ich seltener am Deich. Wir sassen – Konrad halb aus der Erde, ich auf einem kleinen Erdwall daneben – und redeten.
„Konrad“, sagte ich, „wenn du mir eine Sache ueber dich erklaeren koenntest, die wichtigste – was waere es?“ Konrad antwortete ohne zu zoegern: „Die Nase.“
Ich sah auf seine Nase. Sie war – wie immer – in Bewegung. Zuckend, tastend, nach links, nach rechts, auf und ab. Niemals still.
„Erzaehl mir von der Nase“, sagte ich.
Und Konrad erzaehlte.
Die Nasenspitze eines Maulwurfs ist bedeckt mit winzigen Organen, sogenannten Eimerschen Organen – benannt nach dem Wissenschaftler, der sie entdeckte. Es sind Tastsensoren, elektrische Sensoren, Drucksensoren, alle gleichzeitig. Sie messen Erschuetterungen, Feuchtigkeit, Temperatur, elektrische Felder – alles, was ein Wurm im Boden erzeugt, wenn er sich bewegt.
„Du spuerst Elektrizitaet?“, fragte ich. „Wenig“, sagte Konrad. „Aber genug. Ein Wurm erzeugt beim Kriechen schwache elektrische Impulse. Ich spuere sie, wenn er nah genug ist.“ „Das ist wie ein sechster Sinn.“ „Es sind mehrere“, sagte Konrad. „Gleichzeitig.“
Er erklaerte weiter: Die Nase tastet ausserdem so schnell, dass sie in einer Sekunde bis zu zehnmal einen Gegenstand beruehren und auswerten kann. Sie ist der empfindlichste Tastsinn aller bekannten Saeugetiere – empfindlicher als Menschenfinger, empfindlicher als Katzenpfoten, empfindlicher als fast alles, was die Wissenschaft kennt.
„Du siehst, riechst, fuehlst und spuerst alles mit der Nase“, sagte ich. „Ja“, sagte Konrad. „Die Augen sind nebensaechlich. Die Nase ist ich.“
Das war ein sehr grosser Satz fuer einen Maulwurf.
Marta, die zugehoert hatte, sagte leise: „Das ist wie Frieda mit ihrer Brille.“ „Meine Brille ist nicht mein wichtigstes Organ“, sagte Frieda. „Nein“, sagte Marta, „aber ohne sie bist du nicht ganz du.“ Frieda schwieg einen Moment. „Das stimmt“, sagte sie dann.
Kruemel fragte: „Opa Kurt, was ist bei mir das Wichtigste?“ Ich ueberlegte. „Deine Fragen“, sagte ich. Kruemel sah mich an. „Meine Fragen?“ „Du fragst immer das, was die anderen denken, aber nicht aussprechen“, sagte ich. „Das ist selten. Und wertvoll.“
Kruemel sagte nichts. Aber er sah aus, als wuerde er das eine Weile mit sich tragen.
Konrad verschwand langsam in der Erde. Kurz bevor er ganz weg war, sagte er noch: „Gute Nacht, Kurt.“
Es war das erste Mal, dass er das sagte.
Jedenfalls, Kinder: Konrad sieht die Welt mit seiner Nase. Eine Welt aus Vibrationen, Waerme, Feuchtigkeit und schwachen elektrischen Feldern. Eine Welt, die wir nie sehen werden.
Aber sie ist genauso wirklich wie unsere.
Gute Nacht.
Mit Unterstützung von KI erstellt.
