Warum Buckelwale singen – und alle dasselbe Lied
Buckelwale singen, um mit anderen Walen zu kommunizieren und territoriale sowie soziale Signale auszutauschen, wobei alle Männchen einer Population das gleiche, regelmäßig evolvierende Lied lernen und verwenden, um Weibchen anzulocken und Rivalen abzuschrecken. Dieses kollektive Singen ermöglicht eine kulturelle Tradierung des Gesangs, bei dem neue Liedvariationen sich rasch in der Population verbreiten. Das sagen die Fachleute. Wer’s lieber spannend mag, lauscht jetzt den Worten von Opa Kurt:
Also, Kinder, heute erkläre ich euch, warum Buckelwale singen. Stundenlang. Dieselbe Melodie. Und warum irgendwann alle Wale eines ganzen Ozeans dasselbe Lied kennen, obwohl sie sich nie getroffen haben.
Das war 1971. Ich saß auf einem Eisberg südlich von Island – ungemütlich, aber mit gutem Ausblick – als ich es zum ersten Mal hörte. Von unten. Durch das Wasser. Ein Ton, der nicht aufhörte.
Der Wal hieß Bernhard. Er war groß, auch für einen Buckelwal. Er sang seit vier Stunden, als ich ankam, und hörte auch danach nicht auf.
Ich wartete.
Nach zwei weiteren Stunden tauchte er kurz auf, schnappte Luft, und tauchte wieder ab.
„Entschuldigung“, rief ich hinunter. „Was singen Sie da?“
Er tauchte wieder auf. Sah mich an. Überlegte.
„Das neue Lied“, sagte er.
„Wessen neues Lied?“
„Meins. Ich hab es letzte Woche erfunden.“
Das war interessant. Ich fragte, wie das Erfinden funktioniert. Bernhard erklärte es mir in der knappen Art, die Wale haben, wenn sie eigentlich lieber singen würden.
Jeder Buckelwal-Mann erfindet Variationen. Er nimmt das alte Lied, ändert eine Strophe, fügt eine Wendung ein, probiert etwas Neues. Wenn die Variation gut ist – wenn sie trägt, wenn sie weit reist, wenn sie im Wasser klingt wie ein Wal und nicht wie ein kaputter Schiffsmotor – dann singen andere sie nach.
„Wie erfahren die anderen davon?“, fragte ich. „Die sind doch hunderte Kilometer weg.“
„Der Ozean trägt“, sagte Bernhard.
Das stimmte. Walgesang reist tief und weit, durch das Wasser, durch die Stille, bis an Küsten, die Bernhard selbst nie sehen würde.
Fiete, der inzwischen auf dem Eisberg hockte und zitterte, rief: „Aber warum singen die Männchen? Die Weibchen doch nicht.“
Bernhard sah Fiete an.
„Die Weibchen“, sagte er mit einer Würde, die sehr groß war für jemanden, der gerade halb im Wasser hing, „haben Besseres zu tun.“
Dann tauchte er ab und sang weiter.
Und wirklich: In den nächsten Monaten sangen immer mehr Wale dieselbe neue Wendung, die Bernhard erfunden hatte. Erst die in seiner Nähe. Dann die weiter weg. Dann welche am anderen Ende des Ozeans.
Nie hatten sie sich getroffen. Aber sie kannten sein Lied.
Manchmal, Kinder, reist eine gute Idee weiter als derjenige, der sie hatte.
Gute Nacht.
Mit Unterstützung von KI erstellt.
