Der Grabhügel
Also, Kinder, ich erzähl euch heute mal die Geschichte vom Grabhügel. Die ist ein bisschen ungewöhnlich – aber sie zeigt, dass eine gute Tat manchmal noch im letzten Moment hilft.
Es war einmal ein reicher Bauer. Der war sein Leben lang hart und kalt gewesen. Er hatte viel Geld, aber wenig Herz. Dann, als er alt war, kam eine Art Erwachen. Er sah, wie wenig Gutes er getan hatte, und es reute ihn.
An einem Abend klopfte ein armer Nachbar an die Tür. Seine Kinder hatten nichts zu essen. Der Bauer – sonst hätte er die Tür nicht aufgemacht – schenkte ihm acht Malter Korn. Aber er stellte eine Bedingung: „Du musst drei Nächte an meinem Grab wachen, wenn ich gestorben bin.“
Der Nachbar verssprach es. Der Bauer starb kurze Zeit später.
Der Nachbar hielt sein Wort. Erste Nacht – nichts. Zweite Nacht – nichts. Dritte Nacht setzte sich ein fremder Soldat zu ihm. Ruhig, furchtlos, aufrecht.
Um Mitternacht erschien der Teufel. Er wollte die Seele des Bauern holen – denn der hatte ja nicht so ein gutes Leben geführt. Der Soldat trat vor. „Halt. Bevor du irgendwohin gehst, musst du mir so viel Gold geben, wie in meinen Stiefel passt.“
Der Teufel lachte. Einen Stiefel voll Gold? Leicht. Er schleppte Gold heran. Der Stiefel wurde nicht voll. Mehr Gold. Immer noch nicht voll. Der Stiefel hatte nämlich keine Sohle – er stand auf dem Boden, und das Gold verschwand in der Erde.
Als die Sonne aufging, musste der Teufel fliehen. Die Seele des Bauers war gerettet.
Das Gold teilten der Soldat und der Nachbar. Der Nachbar lebte von da an ohne Not. Und der Bauer? Seine letzte gute Tat – das Korn zu schenken – hatte ihm geholfen, als es am wichtigsten war.
Manchmal ist es nie zu spät für eine gute Tat. Aber früher ist trotzdem besser.
(496 Wörter)
Mit Unterstützung von KI erstellt.
