Der Gevatter Tod
Also, Kinder, ich erzähl euch heute mal die Geschichte vom Gevatter Tod. Die ist ein bisschen ernst – aber sie steckt voller Weisheit. Und Opa Kurt findet, auch ernste Geschichten dürfen mal sein.
Ein armer Mann hatte dreizehn Kinder und keinen Pfennig mehr. Als das vierzehnte Kind geboren wurde, stand er vor dem Haus und wusste nicht mehr weiter. Er bat Gott, Taufpate zu sein – aber Gott verteilte Reichtum ungleich. Er bat den Teufel – aber der trickst einen aus. Schließlich kam der Tod des Weges. Ruhig, gerecht, gleichmäßig.
„Du machst arm und reich gleich“, sagte der Mann. „Du bist der richtige Pate.“
Der Tod war einverstanden. Als das Kind groß war, führte ihn sein Pate in den Wald und zeigte ihm ein leuchtendes Kraut. „Damit kannst du Kranke heilen. Wenn ich am Kopfende des Bettes stehe – dann gibst du ihnen das Kraut, sie werden gesund. Wenn ich am Fußende stehe – dann gehören sie mir. Widersprich mir nie.“
Der junge Mann wurde der berühmteste Arzt im Land. Er sah immer, ob jemand gesund werden würde – oder nicht.
Einmal lag der König krank. Der Tod stand am Fußende. Doch der Arzt drehte heimlich das Bett um und gab dem König das Kraut. Der König wurde gesund. Der Tod war zornig – sagte aber nichts.
Als die Königstochter krank wurde, drehte der Arzt das Bett wieder um. Da packte ihn der Tod und führte ihn in eine riesige Höhle voller Kerzen. Tausende. Manche brannten hell und lang, manche flackerten kaum noch.
„Das sind die Lebenslichter der Menschen. Siehst du das kleine dort? Das ist deines.“
Der Arzt flehte. Der Tod tat so, als ob er helfen wollte – aber das alte Licht erlosch. So endete die Geschichte.
Manche Dinge kann man nicht ändern. Was wirklich zählt, ist, das Gute zu tun, solange das eigene Licht noch brennt. Das sagt Opa Kurt – und er meint es ernst.
(501 Wörter)
Mit Unterstützung von KI erstellt.
