Der Bärenhäuter
Also, Kinder, ich erzähl euch heute mal die Geschichte vom Bärenhäuter. Der Name klingt ein bisschen komisch – aber wenn ihr gehört habt, worum es geht, werdet ihr verstehen, warum er so heißt.
Es war einmal ein Soldat. Tapfer, aber mittellos. Krieg war vorbei, Lohn war spärlich, Zukunft unklar. Ein seltsamer Mann in Grün – der Teufel, aber ein ziemlich geschäftsmäßiger – machte ihm ein Angebot: „Ich gebe dir so viel Gold, wie du brauchst. Sieben Jahre lang. Dein Mantel ist ein Bärenfell. Und in diesen sieben Jahren: nicht waschen, nicht kämmen, nicht rasieren, nicht die Nägel schneiden.“
Der Soldat dachte kurz nach. Er hatte wirklich kein Geld. Also: Deal.
Er bekam einen Bärenpelz als Mantel und einen Mantel mit Taschen voller Gold – die sich immer wieder füllten. Klingt gut. War es am Anfang auch.
Aber nach drei, vier Jahren sah er fürchterlich aus. Zottig, schmutzig, wild wie ein Tier. Kaum jemand ließ ihn noch ein. In Gasthäusern saß er allein. Kinder liefen weg.
Aber das Gold nutzte er klug. Er gab viel davon an Arme. In einem Wirtshaus fand er einen alten Mann in echter Not, bezahlte alle seine Schulden. Der Alte war so dankbar, dass er ihm eine seiner drei Töchter zur Frau anbot. Die älteste wollte nicht – viel zu hässlich. Die mittlere auch nicht. Aber die jüngste – die sagte ja. Sie sah ihn an und dachte: Was innen drin ist, zählt mehr.
Sie bekam seinen Ring als Versprechen. Er würde wiederkommen.
Nach sieben Jahren kam der Teufel zurück. Wusch ihn, kämmte ihn, schnitt die Nägel. Darunter kam ein junger, gutaussehender Mann zum Vorschein.
Er fuhr zur Braut. Die ältesten Schwestern erkannten ihn nicht – wollten ihn sofort heiraten. Die jüngste erkannte den Ring. Sie fiel ihm um den Hals.
Sie heirateten. Und die jüngste Schwester war sehr froh, dass sie mutig gewesen war und auf ihr Herz gehört hatte.
Manchmal sieht man erst auf den zweiten Blick, wer wirklich gut ist. Und wer wartet, bis es sich lohnt – der wird selten enttäuscht.
(512 Wörter)
Mit Unterstützung von KI erstellt.
