Bruder Lustig
Also, Kinder, ich erzähl euch heute mal die Geschichte von Bruder Lustig. Der hieß wirklich so – na ja, eigentlich nicht, aber alle nannten ihn so, weil er immer gut gelaunt war. Selbst wenn er keinen Pfennig in der Tasche hatte. Und das war meistens der Fall.
Bruder Lustig war Soldat gewesen. Viele Jahre. Und als der Krieg vorbei war, bekam er seinen Abschied – und als Lohn? Ein kleines Stück Brot und vier Kreuzer. Vier! Nach all den Jahren. Opa Kurt schüttelt da noch heute den Kopf.
Aber Bruder Lustig? Der lachte. Er nahm das Brot und die vier Kreuzer und zog los.
Auf dem Weg traf er einen alten Bettler, der ihn um etwas Essen bat. Bruder Lustig teilte sein Brot. Dann noch einen Bettler – da gab er einen Kreuzer. Und noch einen. Und noch einen. Und am Ende den letzten. Der alte Bettler war, das sei verraten, in Wirklichkeit der heilige Petrus, der sich verkleidet hatte, um zu sehen, wer ein gutes Herz hat. Bruder Lustig hatte definitiv eins.
Petrus schloss sich ihm an – als ganz normaler Wandergeselle, kein weißes Gewand, kein Heiligenschein. Zusammen zogen sie durchs Land.
Petrus hatte eine Wundersalbe dabei, mit der er Kranke heilen konnte. In einem Schloss lag eine todkranke Prinzessin. Petrus heilte sie – und als Dank bekamen sie ein Lamm zum Essen. Bruder Lustig briet es, und während Petrus kurz nicht hinsah, aß er das Herz des Lammes heimlich auf. „Lämmer haben kein Herz“, sagte er dann mit unschuldigem Gesicht, als Petrus nachfragte. Kein Herzchen nirgends. War aufgegessen.
Petrus wusste natürlich, was los war, sagte aber erstmal nichts.
Ein andermal wurde der Tod eines Königs rückgängig gemacht – Petrus legte die Knochen ordentlich hin und sprach sein Gebet. Der König erwachte. Bruder Lustig beobachtete das aufmerksam und dachte: Das kenn ich jetzt auch.
Beim nächsten Toten versuchte er es selbst. Er legte die Knochen hin – aber irgendwie lagen sie durcheinander. Der arme Kerl stand am Ende ein bisschen schief. Petrus musste heimlich nachhelfen.
Schließlich trennten sie sich. Petrus teilte noch ein paar Goldstücke auf: „Für mich. Für dich. Und für den, der das Lammsherz gegessen hat.“ Da gestand Bruder Lustig. Er hatte eben ein ehrliches Gemüt – beim Lügen war er nie besonders gut.
Am Ende seines Lebens kam Bruder Lustig zur Hölle. Die ließen ihn nicht rein – er war ihnen zu lustig und zu gutmütig. Vor dem Himmel erkannte ihn Petrus und wollte erst auch nicht. Aber Bruder Lustig hatte noch einen Trick. Er bat um seinen Ranzen zurück, den Petrus aufgehängt hatte. „Ich wünsche mich selbst in den Ranzen!“ – und schwupp, saß er drin. Und wer im Ranzen sitzt, der ist schon im Himmel. Petrus konnte nicht anders als lachen.
So kam Bruder Lustig mit dem letzten Trick doch noch ins Paradies. Mit einem Grinsen, versteht sich.
Manchmal kommt man durchs Leben nicht mit Klugheit oder Stärke – sondern einfach damit, dass man gut gelaunt bleibt und teilt, was man hat.
(631 Wörter)
Mit Unterstützung von KI erstellt.
